Von Winkel zum Niederwalddenkmal

Das Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdsheim am Rhein

Gestern bin ich mit Doxi von unserem Stellplatz in Oestrich-Winkel in östlicher Richtung zum Kloster Eberbach gewandert. Heute geht es in westlicher Richtung zum großen Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdesheim. Hin und zurück sind das rund 21 Kilometer, wobei wir ein gutes Stück weit dem Rheinsteig-Wanderweg folgen.

Das Niederwalddenkmal liegt oberhalb der Weinlagen des Rüdesheimer Berges am Rand des Landschaftsparks Niederwald. Das 1883 eingeweihte Denkmal soll an die Einigung Deutschlands durch die Gründung des Deutschen Kaiserreiches im Jahr 1871 erinnern.

Im Mittelpunkt des Denkmals steht eine 12 Meter hohe Germania, auf einem Sockel vor einem Thron im altdeutschen Stil mit Adlerwangen. Mit der rechten Hand hält sie die lorbeerumkränzte Reichskrone empor. Die linke Hand umfasst ein gesenktes Schwert.

Auf dem Sockel der Germania befindet sich die Hauptinschrift des Denkmals: „ZUM ANDENKEN AN DIE EINMUETHIGE SIEGREICHE ERHEBUNG DES DEUTSCHEN VOLKES UND AN DIE WIEDERAUFRICHTUNG DES DEUTSCHEN REICHES 1870 – 1871“.

Unterhalb des Sockels sind in einem Relief 133 Personen in Lebensgröße abgebildet. Im Zentrum sitzt König Wilhelm von Preußen zu Pferd. Um ihn herum sammeln sich links und rechts die Generäle und Fürsten aus Nord- und Süddeutschland.

Das patriotische Denkmal zieht seit seiner Einweihung viele Touristen an. Ab 1885 fuhr die Niederwaldbahn von Rüdesheim hinauf zum Niederwald, Sie wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört. Seit 1954 führt stattdessen eine Kabinenseilbahn zu dem hoch über der Stadt liegenden Denkmal.

Luftbild der Abtei St. Hildegard (Foto Tiggr)

Auf dem Weg zurück nach Winkel kommen wir an weiteren sehenswerten Bauwerken vorbei: Bei Eibingen passieren wir die Abtei St. Hildegard, ein Benediktinerinnenkloster, das zwischen 1900 und 1904 von Benediktinerinnen aus der Abtei St. Gabriel in Prag errichtet wurde und in der Nachfolge der heiligen Hildegard von Bingen steht.

Das im neoromanischen Stil neu erbaute Kloster wurde von Fürst Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg gestiftet. Es gehört zur Beuroner Kongregation und wurde von den Künstlermönchen der Beuroner Kunstschule ausgemalt.

Luftbild von Schloss Johannisberg (Foto Fritz Geller-Grimm)

Drei Kilometer weiter östlich laufen wir bei Geisenheim durch den Weinberg unterhalb von Schloss Johannisberg, der sich exakt auf dem 50. Breitengrad befindet. Das Schloss beherbergt ein traditionsreiches Weingut, das sich als das erste Riesling-Weingut der Welt bezeichnet.

Seine 35 Hektar umfassende Lage zählt zu den besten des Rheingaus.. Heute befindet sich die Domäne zu 100% im Besitz der zur Oetker-Gruppe gehörenden Henkell & Söhnlein Sektkellereien KG.

Der jährliche Beginn der Weinlese und die Erntequalität werden seit dem Jahr 1784 lückenlos protokolliert. In diesen Verzeichnissen spiegelt sich bereits die globale Erwärmung wider: fiel der mittlere Lesebeginn in den 1890er Jahren noch auf den 2. November, so verschob er sich bis in die 1950er Jahre auf den 16. Oktober. In den 1990er Jahren begann die Lese dann im Mittel am 9. Oktober.

Der Legende nach ist die Anlage des Weinbergs auf Karl den Großen zurückzuführen. Um 1100 schenkte der Mainzer Erzbischof Ruthard ihn dem Mainzer Benediktinerkloster Sankt Alban, das dort eine neue Mönchsgemeinschaft einrichten sollte. Das neue Kloster wurde dem heiligen Johannes geweiht und war in der Anfangszeit ein Doppelkloster mit einer angeschlossenen Frauenklause.

Nach dem Niedergang und der Zerstörung des Klosters im späten Mittelalter wurde auf dem Weinberg ein dreiflügeliges barockes Schlossgebäude errichtet. Die heute neben dem Schloss weithin sichtbare Basilika ist eine Rekonstrukton im strengen romanischen Stil des 12. Jahrhunderts. Sie ist Johannis dem Täufer gewidmet.

( MITI / )

Von Winkel nach Eberbach

Doxi in den Weinbergen bei Winkel

Für heute habe ich mir eine anspruchsvolle Wanderung vorgenommen. Von unserem Womo-Stellplatz in Winkel will ich mit Doxi durch die Weinberge zum Kloster Eberbach wandern. Zurück soll es dann durch den Wald oberhalb der Weinberge gehen – insgesamt rund 20 Kilometer. Und weil es wieder fast 30 Grad warm werden soll, starten wir bereits um halb acht am Morgen.

Vor zweieinhalb Jahren wollte ich schon einmal zum Kloster Eberbach wandern, damals von Eltville aus, was wesentlich näher am Kloster liegt. Doch statt im Kloster bin ich damals in der zwei Kilometer entfernten Landes-Psychatrie gelandet, weil ich mein Wander-Navi falsch programmiert hatte. Das soll mir nicht noch einmal passieren.

Tatsächlich schaffen wir es diesmal problemlos in rund zwei Stunden auf sehr schönen Wegen durch die Weinberge nach Eberbach. Unterhalb des Klosters kommen wir an der ehemaligen Kloster-Domäne Neuhof vorbei, die den riesigen Weinberg „Steinberg“ des Klosters bewirtschaftete. Wie im Mittelalter üblich, war der gesamte Weinberg in Kirchenbesitz von einer hohen Mauer umgeben, die mir fast endlos vorkommt.

Leider steigt auf dem Rückweg mein Navi aus. Also müssen wir uns mehr oder weniger der Nase nach durch den Wald schlagen. Als grobe Orientierung dient uns der Rheingauer Klostesteig, der allerdings nicht nach Winkel führt, sondern oberhalb zum Kloster Johannisberg führt.  Aber immerhin besteht so nicht die Gefahr, dass ich wieder in der „Klappse“ lande 🙂

So ganz optimal treffen wir den angepeilten Rückweg deshalb nicht. Wir laufen mehr durch die Weinberge, also mir lieb ist, denn die Sonne heizt uns am Mittag schon gewaltig ein.

Aber nach rund fünfeinhalb Stunden haben wir es dann doch geschafft. Doxi verkriecht sich sogleich unters Wohnmobil und ward in den folgenden vier Stunden nicht mehr gesehen. Sie hatte wohl wirklich genug von der Sonne. Ich aber auch. Gut, dass ich mich am Morgen mit Sonnenmilch eingecremt hatte. Sonst hätte ich bestimmt einen ordentlichen Sonnenbrand abbekommen.

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Im Kloster Eberbach

An der Südostseite der Basilika sind drei Baustile zu erkennen: romanisches Kirchenschiff mit gotischen Fenstern und barocken Dachreitern.

Jetzt habe ich es endlich geschafft: Ich bin im Kloster Eberbach! Die ehemalige Zisterzienserabtei oberhalb von Eltville ist ein Kulturdenkmal von europäischem Rang und zieht jährlich rund 300.000 Besucher an. Ihre Gründung im Jahr 1136 geht auf den berühmten Bernhard von Clairvaux zurück. Einem breiteren Publikum wurde die Klosteranlage bekannt, nachdem dort im Winter 1985/86 fast alle Innenaufnahmen zum Film „Der Name der Rose“ gedreht wurden.

Das für seinen Weinbau berühmte Kloster war eine der ältesten und bedeutendsten Zisterzen in Deutschland. Die Mönche sollten von der Arbeit ihrer eigenen Hand leben. Schnell bildete sich deshalb ein ausgedehntes Netz von selbstbewirtschafteten Wirtschaftshöfen, die sogenannten „Grangien“, Daneben unterhielt das Kloster in seiner Blütezeit elf Stadthöfe, unter anderem den Eberbacher Hof in Köln, Frankfurt und den Erbacher Hof in Mainz, die als Werkstätten, Handelsposten und Herbergen dienten.

Das Kloster Eberbach war Förderer des Weinanbaus und maßgeblich an der erheblichen Erweiterung der Anbaufläche für Reben im Rheingau und im Mittelrheintal beteiligt. Im Laufe des 14. Jahrhunderts gelang es, den Besitz an Weinbergen deutlich auszuweiten. Im „Heiligen Jahr“ 1500 wurde das „Große Fass“ erstmals gefüllt. Es hatte ein Fassungsvermögen von annähernd 72.000 Liter Wein.

Bereits im 15. Jahrhundert begann der langsame wirtschaftliche Niedergang des Klosters in Folge von Kriegen, Besitzstreitigkeiten und der Reformation. Gemäß einem Dekret von Fürst Friedrich August von Nassau wurde das Kloster am 18. September 1803 aufgelöst. Die verbliebenen 22 Klosterangehörigen mussten das Kloster bis zum 27. November 1803 verlasssen.

In den folgenden zwei Jahrhunderten diente das Kloster abwechselnd als Psychiatrie, Gefängnis, Wirtschaftshof und Militärlager. Nach mehrfachen Instandsetzungsarbeiten wird Eberbach heute als Museum, Hotel, Tagungszentrum und Spielstätte für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen genutzt. Es befindet sich im Besitz des Landes Hessen, das es durch eine Stiftung verwalten lässt.

Wenn man so wie ich das Glück hat, die Anlage außerhalb der großen Besucherströme zu besichtigen, meint man überall den Hauch der Geschichte zu spüren.  Eine wirklich faszinierende Stätte.

( MITI / )

Touristenmagnet Rüdesheim am Rhein

Brunnen am Marktplatz von Rüderheim. Hier bereit sich gerade eine Touristengruppe auf Segways auf ihre Besichtigungstour vor.

Nach unserer anstrengenden Morgenwanderung zum Kloster Eberbach hat Doxi erst einmal genug von Sonne und Bewegung. Während es sich Madame im Schatten unter dem Wohnmobil gemütlich macht, sattle ich mein elektrisches Pferdchen und radele damit am Rhein entlang von Winkel in das acht Kilometer entfernte Rüdesheim am Rhein.

Dort ist an diesem sonnigen Samstag-Nachmiitag erwartungsgemäß richtig viel los. Touristen aus der ganzen Welt schieben sich neben deutschen Ausflüglern durch die weltberühmte Drosselgasse. Eine Gruppe von Indern übt sich in der Aussprache eines typisch deutschen Wortes der Region: Weinberg. Und das klappt schon ganz gut 🙂

An der Kabinenseilbahn hinauf zum Hinterwalddenkmal und an den Ausflugschiffen zur Loreley stehen die Menschen Schlange, um eingelassen zu werden.  Für mich ist das alles ein wenig zu viel Trubel und zu viel Weinseligkeit, aber ich wollte mir dieses Treiben unbedingt mal sehen, und das habe ich nun. Schnell weg hier.

( MITI / )

Am Rheingauer Dom

Die Pfarrkirche Heilig Kreuz in Geisenheim, im Volksmund als „Rheingauer Dom“ bekannt

Zwischen unserem Stellplatz in Oestrich-Winkel und Rüdesheim liegt Geisenheim mit dem weithin sichtbaren Rheingauer Dom. Also biege ich auf meine Weg nach Rüdesheim spontan ab und fahre zum Kirchplatz mit dem mächtigen Kirchenbauwerk.

Wie ich auf einer Infotafel erfahre, handelt es sich gar nicht wirklich um einem Dom, weil es hier keinen Bischof gibt. Die Heilig Kreuz-Kirche wird nur gerne als Dom beeichnet ,weil sie das größte und prächtigste Kirchenbauwerk in der Region darstellt.

Sie entstand in den Jahren 1510 bis 1518 als Nachfolgebau einer 1146 erstmals erwähnten romanischen Kirche. Nachdem 1829 die noch aus der romanischen Entstehungszeit stammenden Westtürme wegen Baufälligkeit abgerissen wurden, entstanden zwei 46 Meter hohen Türme als Neubau.

Fast noch mehr als die Kirche fasziniert mich jedoch die 700 Jahre alte, gerade frisch ergrünte Linde vor dem Geisenheimer Rathaus gleich nebenan. Ich hatte vor einigen Wochen eine schöne TV-Doku über die ältesten Bäume in Deutschland gesehen.

Seitdem denke ich immer wieder an diese grünen Zeitzeugen und was sich unter ihren Kronen in den vielen Jahrhunderten ihres Bestehens schon alles abgespielt haben mag. Jetzt jabe ich mal einen solchen Methusalem live geshen. Und ich muss sagen: Zumindest dieser grüne Oldtimer hier ist noch ganz schön gut in Schuss.

Eigentlich sollte man einen solchen seltenen Baum ja gleich umarmen. Aber dafür ist der Stamm viel zu mächtig. Hat er noch mal Glück gehabt …

( MITI / )

Drei-Brückentour zwischen Rhein und Main

Blick auf die Skyline von ;Mainz von der anderen Rheinseite aus

Wenn man die Skyline von Mainz richtig sehen will, muss man auf die andere Rheinseite nach Hessen rübermachen. Dort waren wir heute auf einer Drei-Brücken-Wanderung zwischen Rhein und Main unterwegs.

Von unserem Stellplatz am Mainzer Fußballstadion (Bruchwegstadion) liefen wir zunächst zweieinhalb Kilometer zur Rheinpromenade und dann noch ein Stück rheinabwärts zur Theodor-Heuss-Brücke. Auf der anderen Rheinseite ging es zunächst am alten Mainzer Kastell vorbei rheinabwärts über die Rheinhalbinsel am großen Campingplatz und verschiedenen Werften vorbei in Richtung Main-Mündung.

Die hatte ich mir in Anlehnung an die Mosel-Mündung am Deutschen Eck in Koblenz ein wenig spektakulärer vorgestellt, aber so „fett“ ist der Main eben auch nicht. Anschließend ging es entlang des Mainufers nach Kostheim, früher das letzte Dorf am Main, heute der südlichste Ortsbezirk der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Dieser Stadtteil gehört zu den sogenannten rechtsrheinischen AKK-Stadtteilen, die im Zeitraum zwischen 1908 bzw. 1913 und 1945 zur Stadt Mainz gehörten und nach dem Krieg von der amerikanischen Militärregierung unter die Verwaltung der Stadt Wiesbaden gestellt wurden. Aus diesem Grund blieb der Namenszusatz „Mainz-“ trotz der politischen Zugehörigkeit zu Wiesbaden erhalten.

Über die Kostheimer Brücke wechselten wir bald auf die andere Mainseite und liefen dann durch den Burgpark wieder auf die Mainmündung zu. Direkt neben der Mainmündung befindet sich die große Eisenbahnbrücke (Südbrücke), über die auch Fahrradfahrer und Fußgänger auf die andere Rheinseite nach Mainz wechseln können.

Dahinter liefen wird durch den Mainzer Stadtpark und anschießend am antiken Römischen Theater auf die mittelalterliche Zitadelle von Manz zu. Wir durchqueren die Zitadelle und den dahinter liegenden früheren Mühlenberg, auf dem heute ein riesiges Kinderspielgerät mit Windrad und Rutsche an den früheren Mühlenstandort erinnert.

Dann ging es noch zwei Kilometer durch die Stadt zurück zu unserem Stellplatz im Stadtteil Hartenberg/Münchfeld, wo wir nach dreieinhalb Stunden und 14 Wanderkilometern um einige interessante Eindrücke reicher wieder eintrafen.

( MITI / )

Historisches Mainz

Blick über das historische Mainz von der alten Zitadele aus

Mainz, ich war noch nie in Mainz! Fast das Einzige, was ich mit der Rheinland-Pfälzischen Landeshauptstadt verbinde, ist der Karneval und die Vorstellung, dass sie dort etwas komisch „spresche dun“.Und natürlich, dass Johannes Gutenberg dort den Buchdruck erfunden hat.

Nach unserer sehr schönen Morgenwanderung rund um Eppstein fahre ich am Mittag sofort nach Mainz weiter, um dem nachmittäglichen Berufsverkehr zu umgehen. Aus den Verkehrsnachrichten im Radio weiß ich, dass es sich im Ballungszentrum Mainz-Wiesbaden mindestes zweimal am Tag an diversen Stellen ganz heftig staut . Darauf kann ich gerne verzichten.

Wir kommen auf dem Stellplatz am Mainzer Fußballstadion im Stadtteil Hartenberg/Münchfeld unter, rund zweieinhalb Kilometer vom historischen Stadtzentrum entfernt.  Da wir dort sicher und sonnengeschützt im Schatten stehen, kann ich es wagen, Doxi im Womo bei geöffneten Fenstern allein zu lassen, um das historische Mainz mit dem Fahrrad zu erkunden.

Es wird eine sehr interessante dreistündige Tour, auf der mir viele Zeugnisse aus den verschiedenen Epochen der Mainzer Zeitgeschichte begegnen. Die Stadt liegt gegenüber der Mündung des Mains auf der westlichen Rheinseite bei Rheinkilometer 500, ungefähr auf halbem Wege zwischen Bodensee und Nordsee.  Durch Mainz verläuft der 50. Breitengrad nördlicher Breite.

Erste dauerhafte Ansiedelungen im Mainzer Stadtgebiet gehen auf die Kelten im ersten Jahrtausend vor Christus zurück. Nach dem Gallischen Krieg verdrängten die Römer die Kelten vom Rhein. Im Jahre 13 v. Chr. soll das erste Militärlager und damit die Stadt Mainz von Drusus unter dem Namen „Mogontiacum“ erfolgt sein. Der Name des römischen Feldherrn begegnet mir auf meiner Stadtbesichtigung immer wieder.

Fast 500 Jahre lang gehörte die Stadt zum Imperium Romanum. Ab 89 n. Chr. wurde sie zur Hauptstadt der Provinz Germania superior. Vor allem die von den Römern errichtete Rheinbrücke machte den Ort wirtschaftlich und strategisch bedeutend. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts entstand die erste Stadtmauer. Ich sehe unterwegs eine ganze Reihe von Zeugnissen der römischen Besiedlung, etwa das ausgegrabene römische Stadttheater unterhalb der Zitadelle oder ein rekonstruiertes Rheinschiff der Römer vor dem Stadtmuseum.

Weitaus zahlreicher sind jedoch die Zeugnisse von Mainz großer Bedeutung als Bischofssitz. Spätestens ab der Mitte des 4. Jahrhunderts bestand in der Stadt eine christliche Gemeinde unter Leitung eines Bischofs.  782 wurde Mainz zum Erzbistum erhoben. Der Einfluss der Mainzer Erzbischöfe ließ diese zu Reichserzkanzlern, Landesherren des kurmainzischen Territoriums (Kurfürsten) und Königswählern aufsteigen.

Als eine der ersten Stationen auf meiner Tour besuche ich die spätmittelalterliche Zitadelle, die ab der Mitte des 16. Jahrhunderts entstand und teil einer moderneren Festungsanlage war, die die ganze Stadt umfasste. Außerhalb dieser Festung durften keine Steinbauten errichtet werden, was das Wachstum der Stadt bis in das 20. Jahrhundert hinein stark begrenzte. Erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg wurde die alte Festung endgültig abgerissen, sodass die Stadt nun auch außerhalb der alten Mauern wachsen konnte

Im Altstadtbereich fallen mir vor allem die vielen Kirchen und repräsentativen Bauten aus der Barockzeit auf, die die Wirrungen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts überstanden haben. In dieser Zeit war Mainz mehrfach durch die Franzosen besetztt. Erst unter Napoleon, dann nach dem Ersten Weltkrieg und wieder nach dem Zweiten Weltkriegg, in dem Mainz durch Luftangriffe der Alliierten zu fast 80% zerstört wurde. Ich vermute, dass deshalb so wenige mittelalterliche Fachwerkbauten in der Altstadt erhalten geblieben sind.

Der Rhein bildete damals die Grenze zwischen der französischen und der amerikanischen Besatzungszone, weshalb die rechtsrheinischen Stadtteile von Mainz dem von der Amerikanern besetzten Wiesbaden zugeschlagen wurden – Ursache für eine bis heute anhaltende Rivalität der beiden Städte. Nun, in Wiesbaden war ich noch nicht, aber das historische Mainz gefällt mir auf jeden Fall ausnehmend gut.

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Rund um Eppstein

Blick hinunter in das Zentrum von Eppstein mit der Burgruine Eppstein

Wir haben die Nacht in Eppstein verbracht, im Tal des Schwarzbachs, rund 15 Kilometer von Königstein entfernt. Dort sind wir mit dem Womo auf dem großen S-Bahn-Parkplatz „abgestiegen,„, den wir in der Nacht fast für uns allein hatten. Über die Bahngleise hinweg strahlte uns die nächtlich erleuchtete Ruine der Burg Eppstein aus dem Ortszentrum an.

Am Morgen brechen wir zu einer 17 Kilometer langen Wanderung rund um Eppstein auf, das als „Perle der Nassauischen Schweiz“ gilt. Wir laufen zunächst am Fuß der Burg vorbei und steigen dann in Serpentinen zum Kaisertempel auf, einer 1878 im Stil der griechischen Antike errichteten Erinnerungsstätte, die die Reichseinigung unter Kaiser Wilhelm feiert und einen fantastischen Talblick hinunter nach Eppstein bietet. Nicht weit davon entfernt liegt der Mendeslsohnstein, der an den Komponisten Mendelssohn Bartholdy erinnert, der einige Jahre regelmäßig in Eppstein weilte.

Weiter geht es auf den Staufen-Berg, der bereits zum Frankfurter Stadtwald gehört, auch wenn das Stadtzentrum noch mehr als fünfzehn Kilometer entfernt liegt. Auf der Felsklipppe „Großer Mannstein“ haben wir einen tollen Fernblick nach Norden in Richtung Königstein und dem dahinter aufragenden Großen Feldberg. In südlicher Richtung ist deutlich die Frankfurter Skyline mit ihren Hochhaustürmen zu erkennen, außerdem die Chemieanlagen in Frankfurt Hoechst und dahinter der internationale Flughafen Frankfurt.

Nun beginnt unser langer Abstieg hinunter ins Tal des Lorsbachs zum gleichnamigen Ort. Von dort geht es wieder hinauf zur Hochfläche von Langenhain, wo wir schon aus der Ferne einen merkwürdigen kugelartigen Bau ausmachen können. Der Bau entpuppt sich bei der Annäherung als architektonisches Schmuckstück. Es ist der einzige Tempel der Religionsgemeinschaft der Bahai in Europa.

Wir steigen weiter auf bis zum bewaldeten Gipfel des Judenkopfes, wo unser Abstieg zurück nach Eppstein beginnt. Die Buchen haben gerade frisch ausgetrieben. Der Wald leuchtet in seinem saftigsten Grün. Für Waldfreunde sind das die schönsten Tage des Jahres. Einfach herrlich, wie überhaupt die ganze Wanderung. Ein echtes Highlight unserer Tuanus-Tor, das steht schon einmal fest.

( MITI / )

Königstein – wo Frankfurts Reiche wohnen

Blick von der Burgruine hinunter nach Königstein im Taunus (Foto Brion Vibber)

Von Schmitten fahren wir am Nachmittag weiter nach Königstein, das an den waldreichen südlichen Taunushängen rund 20 Kilometer vor Frankfurt liegt. Die Stadt ist für ihre bevorzugten und teuren Wohnlagen mit einer Reihe von Villen bekannt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Königstein 1215. Schon zu dieser Zeit bestand die Burg Königstein, deren Ruine heute das Wahrzeichen der Stadt bildet. Sie befindet sich unmittelbar oberhalb der kleinen, aber sehenswerten Altstadt von Königstein.

Ebenfalls weithin sichtbar ist die Villa Andreae – ein denkmalgeschütztes Wohn- und Bürohaus, das durch seine Alleinlage auf der Kuppe des Gaisbergs gegenüber der Burg das Stadtbild von Königstein prägt. 1987 kaufte der Immobilienunternehmer Jürgen Schneider das Baudenkmal und ließ es für 30 Millionen DM aufwändig sanieren. Bis zu seiner Aufsehen erregenden Milliardenpleite 1994 nutzer er das Objekt als repräsentativen Firmensitz. Heute befindet sich das Anwesen inmitten eines 20.000 m² großen Parks im Besitz des Geschäftsmanns Zhu Weiping aus Hongkong.

Ein weiterer Prunkbau ist das ehemalige Schloss des Herzogs Adolph von Nassau, das seit 1890 als „Luxemburgisches Schloss“ bekannt ist und heute als Sitz des Amtsgericht genutzt wird. Überaus repräsentativ ist auch die Villa Rothschild, die 1884 als Sommerresidenz von Wilhelm Carl von Rothschild errichtet wurde, und in den Jahren 1948/49 als Tagungshaus des Parlamentarischen Rates und der westdeutschen Ministerpräsidenten genutzt wurde. Heute befindet sich in der Anlage ein Nobelhotel der Kempinski-Gruppe.

Das alles schauen wir uns auf einem Abendspaziergang an. Sieht man einmal von den wenigen Hochhäusern am Stadtrand ab, macht Königstein wirklich einen sehr noblen Eindruck. Kein Wunder, dass der Kaufkraftindex hier beim doppelten des Bundesdurchschnitts liegt. Aber so richtig sympathisch macht das die Stadt in meinen Augen nicht.

( MITI / )

Von Schmitten auf den Großen Feldberg

Sendeanlagen auf dem Großen Feldberg im Taunus

Zweiter Tag unserer Taunustour. Früh am Morgen fahren wir von Idstein über enge und steile Straßen in den Hochtaunus nach Schmitten. Es dauert eine ganze Weile, bis ich in dem verwinkelten Örtchen einen Parkplatz für das Womo gefunden habe. Doch dann geht es endlich los, auf eine 20 Kilometer-Wanderung, die uns hinauf auf den höchsten Gipfel des Taunus führen wird.  Darauf habe ich mich schon sehr gefreut.

Schon von weitem ist die 880 Meter ü.N.N hohe Bergspitze mit den markanten Masten und Türmen verschiedener Funk- und Fernseh-Sender zu sehen. Von Schmitten geht es in südlicher Richtung ständig bergauf in Richtung Gipfel. Zumeist laufen wir durch dichten Kiefernwald, der nur selten von langen Schneisen unterbrochen wird, die einen Blick zurück ins Tal oder hinauf zum Gipfel freigeben. So wundere ich mich fast ein wenig, als wir nach rund 90 Minuten plötzlich unterhalb des Gipfels stehen.

Hier endlich lichtet sich der Wald, so dass man einen herrlichen Panoramablick in Richtung des nördlich gelegenen Hochtaunus hat. Auf der anderen Gipfelseite geht der Blick hinunter in das 30 Kilometer entfernte Frankfurt, dessen Skyline auch im Gegenlicht der starken Sonne gut zu erkennen ist.

Obwohl wir beim Aufstieg nur wenigen Wanderern begegnet sind, ist oben auf dem Gipfel ganz schön was los. Denn man kann auch mit dem Auto oder dem Motorrad hinauf fahren, wie ich nun feststelle. Sogar ein Wohnmobil steht hier oben. Aber wir wollen natürlich laufen 🙂

Zurück geht es in einer großem Westschleife an den Ortsteilen Oberreifenberg und Seelenberg vorbei zurück nach Schmitten. Unterhalb  des Feldberg-Gipfels kommen wir zunächst an den Ausgrabungsresten eines früheren römischen Kastells vorbei, das Teil der Limes-Grenzsicherung war. Es wurde bewusst in unmittelbarer Nähe zur Quelle der Weil errichtet, damit den Soldaten und Bewohnern immer ausreichend Frischwasser zur Verfügung stand.

Auf halber Strecke des Rückwegs legen wir einen kurzen Abstecher zum „Großen Zacken“ ein, einem natürlich gewachsenen Felsen, der sich steil über dem Emsbachtal erhebt und einen tollen Fernblick bietet.

Nach knapp fünf Stunden erreichen wir schließlich wieder unseren Startpunkt. Ich bin ob der langen Strecke und der warmen Temperaturen ganz schön durchgeschwitzt, und Doxi hat offensichtlich ebenfalls genug: Ratzfatz verzieht sie sich unter das Wohnmobil, um im Schatten auszuruhen.

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Abendwanderung zum Alteburger Markt

Wo in der Römerzeit ein Limes-Kastell und spätger eine Kapelle stand, findet heute dreimal im Jahr der historische Alteburger Markt statt

Der Ehrgeiz hat mich gepackt. Heute möchte ich unbedingt die 30 Wanderkilometer voll machen. Nach unserem Morgenspaziergang durch die Limburger Altstadt und unserer mittäglichen Limes-Tour rund um Idstein, breche ich deshalb am Abend noch einmal mit Doxi auf. Von unserem Stellplatz in Idstein wandern wir in östlicher Richtung aus dem Ort hinaus und durch den Wald hinauf zum Berg Heidkopf.

Unser Ziel ist der vier Kilometer entfernte Alteburger Markt. Er findet dreimal im Jahr an der Stelle statt, an der sich einst das römische Kastell Alteburg etwa anderthalb Kilometer südlich des Idsteiner Stadtteils Heftrich befand. Dieses Numeruskastell gehörte zur westlichen Taunus-Strecke des Obergermanisch-Raetischen Limes, der seit 2005 UNESCO-Weltkulturerbe ist.

Das rechteckige Steinkastell besaß nach archäologischen Untersuchungen eine Abmessung von 78 mal 93 Metern und entsprach damit dem benachbarten Feldbergkastell, das wir morgen auf unserer Wanderung zum Großen Feldberg besuchen wollen . Das Lager unterhalb der Spitze des Heidkopfs diente der Überwachung eines alten Weges, der hier die Limeslinie kreuzte. Dieser Weg war im Mittelalter als „Alter Mainzer Weg“ bekannt und verband die Rheinebene mit dem seit bereits in römischer Zeit besiedelten Limburger Becken.

In nachrömischer Zeit wurde das aufgelassene Kastell als Steinbruch genutzt, unter anderem zum Bau einer 1178 an dieser Stelle errichteten Eremiten-Klause und der dazugehörenden Kapelle des Hl. Kilian.

Aus den an kirchlichen Festtagen abgehaltenen Jahrmärkten entwickelte sich der noch heute an drei Donnerstagen im Jahr hier stattfindende Alteburger Markt. Vom ehemaligen Kastell und den Sakralbauten ist nichts mehr zu sehen. Das hatte ich mir etwas anders vorgestellt, aber egal, die 30 Wanderkilometer haben wir mit dieser Abendtour erreicht. Es sind heute sogar 34 geworden. Ob ich aber auch in den kommenden Tagen so viel schaffen werden, wage ich zu bezweifeln. Denn das war schon ganz schön ansrengend heute 🙂 Und Doxi hat auch definitiv genug.

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Limes-Wanderung rund um Idstein

Rekonstruierter Limes-Wachturm

Wir beginnen unseren kleinen Taunus-Wander-Marathon mit einer ausgedehnten Tour, die uns von Idstein zu zahlreichen Zeugnissen des früheren römischen Grenzwalls Limes führt. Aus dem Tal im Ortszentrum von Idstein geht es zunächst steil bergauf zum Berg Rügert, wobei wir die Autobahn A3 unterqueren. Vom Rügert haben wir einen wunderbaren Blick hinunter ins Nachbartal nach Niederauroff.

In Niederauroff stärkt sich Doxi erst einmal an einem gusseisernen historischen Brunnen. Dann wandern wir durch ein liebliches Tal entlang des Auroffer Bachs von Niederauroff nach Oberauroff.

Dort beginnt an der hübschen Liebfrauenkirche unser langer Anstieg durch frisch ergrünten Buchenwald hinauf zum Berg Scheid und weiter über die frühgeschichtliche Handeslroute „Hünerscheid“ zum rekonstruierten Römerturm 3/15. Der Wachturm lag am Grenzwall Limes, der sich noch heute als begehbarer Erdwall durch den Wald zieht. Vor zweitausend Jahren bildete der Limes die bewachte und gesicherte Grenze zwischen dem Römischen Reich im Westen und den Germanenstämmen im Osten. Heute markiert er die Grenze zwischen den Gemeinden Idstein und Taunusstein bzw. Glashütten.

Über eine aussichtsreiche Kuppe laufen wir zum Dorf Eschenhahn und weiter zum Roßbergkamm. Dahinter unterqueren wir erst die Autobahn A3 und dann die Schnellzugstrecke von Frankfurt nach Köln. Wir laufen durch das wasserreiche Wörsbachtal und erreichen schließlich nach 21 Wanderkilometern wieder unseren Startpunkt  in Idstein. Die starke Sonne und die zahlreichen Anstiege auf der Tour haben uns ganz schön eingeheitzt. Ein Vorgeschmack auf die kommenden Tage, die noch wärmer werden sollen.

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Mittelalterliches Idstein

Rathaus und Schiefes Haus am Marktplatz vor dem Schloss, das gerade eingerüstet ist

Wir haben Idstein erreicht, die erste Übernachtungsstation auf unserer Taunus-Tour. Der Ort ist die älteste Stadt im Rheingaukreises und verfügt über eine hübsche, sehenswerte Altstadt mit zahlreichen mittelalterlichen Fachwerksbauten. Sie befindet auf einem Höhenrücken zwischen den beiden Stadtbächen, dem Wolfsbach im Osten und dem Wörsbach im Westen,

Dieser Höhenrücken geht im Norden in den Sclossfelsen über, auf dem die frühere Burg, das Schloss und der Hexenturm angesiedelt sind. Auch wenn darin niemals Hexen eingesperrt waren, gab es in Idstein im 17. Jahrhundert zahlreiche Hexenprozesse mit etlichen Todesurteilen und unter der Folter verstorbenen.

Erst im Jahre 2014 wurden die Opfer durch das Stadtparlament moralisch und sozialethisch rehabilitiert. Heute erinnert eine Gedenktafel unterhalb des Hexenturms mit erschreckend vielen Namen an dieses dunkle Kapitel der Zeitgeschichte.

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Tebartzens Luxus-Domizil

Sterin des Anstosses – Der Neubau auf dem Gelände des Diözesaönzentrums Sankt Nikolaus im Hintergrund

Erinnert sich noch jemand an den Bauskandal um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst? Im Herbst 2013 war der luxusliebende Geistliche wegen erheblich gestiegener Baukosten für das Diözesanzentrum Sankt Nikolaus bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Am 23. Oktober 2013 entband der Heilige Stuhl den Bischof daraufhin von seinen Pflichten.

Ich war neugierig, worum es dabei eigentlich ging, und deshalb bin ich bei meinem Besuch in Limburg als erstes auf den Domberg hochgelaufen, wo sich zahlreiche kirchliche Einrichtungen und Gebäude befinden.

Aber zunächst werfe ich einen Blick in den Limburger Dom, der dem heiligen Georg gewidmet und deshalb als Georgsdom bekannt ist. Durch eine offene Seitentür gelange ich in den Dom, Doxi leine ich draußen an einem Poller an. Es ist noch ganz früh am Morgen und ich bin nicht sicher, ob der Dom schon für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Im Hintergrund sehe ich den Domvikar. Höflich frage ich, ob man eintreten darf. Man darf!

Der Dom thront oberhalb der Altstadt neben der Burg Limburg. Die exponierte Lage auf einem Kalkfelsen über der Lahn sorgt dafür, dass die Kirche weithin sichtbar ist. Der Bau gilt als eine der vollendetsten Schöpfungen spätromanischer Baukunst. Es zeigen sich aber bereits erste Elemente der Frühgotik.

Als teilweises Vorbild gilt die Kathedrale von Reims. Der Baukörper ist reich gegliedert; aus ihm streben sieben Türme gen Himmel, die für die sieben Sakramente stehen. Auch im Innern macht die Kirche einen sehr schönen Eindruck. Irgendwie ist es ein durchaus erhebendes Gefühl, hier so ganz allein unterwegs zu sein.

Wie ich später bei der Recherche feststelle, war das bemerkenswerte Kirchengebäude schon an prominenter Stelle abgebildet: Auf der Rückseite des 1000-DM-Scheins der dritten Serie, die ab 1964 ausgegeben wurde.

Als ich aus der Kirche heraustrete und auf den Domplatz blicke, geht man Blick sofort zu einem markanten Ensemble, das ein mittelalterliches Fachwerkhaus mit einem modern wirkenden, klar strukturierten Gebäude mit schwarzer Basaltverkleidung verbndet. Das muss es sein, das Diözesanzentrum Sankt Nikolaus, die modernisierte Residenz des Limburger Bischofs, um die es so viel Streit gegeben hat. Die Bilder kenne ich noch aus der damaligen Presseberichterstattung.

Architektonisch sieht es sehr ansprechend aus, aber auch ein wenig zu nobel für den gegebenen Zweck. Kein Wunder, dass sich der Nachfolger im Bischofsamt, Georg Bätzing, entschieden hat, seine vorgesehene die Dienstwohnung in der Anlage nicht zu nutzen.

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In der Altstadt von Limburg

Blick von der Lahn zum Domberg

Auf dem Weg mit dem Womo in den Taunus: Kurz vor sechs Uhr am Morgen sind wir zu Hause gestartet, um den großen Staus im Berufsverkehr rund um Köln zu entgehen. Und das hat gut funktioniert. Kaum zwei Stunden später erreichen wir Limburg am Übergang zwischen Westerwald und Taunus. Schon oft bin ich auf der Autobahn A3 an Limburg vorbei gefahren. Jetzt ist ein guter Moment, mir die Stadt endlich einmal aus der Nähe anzuschauen.

Überregional bekannt ist die Stadt hauptsächlich durch das gleichnamige Bistum mit seiner Kathedralkirche, dem spätromanischen Dom St. Georg, und den Bahnhof Limburg Süd an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Die Stadt liegt in einem Becken zwischen Westerwald und Taunus und  erstreckt sich auf beiden Seiten der Lahn.

Wir haben Glück und finden einen kostenlosen Parkplatz am Fluss ganz in der Nähe der Altstadt. Von dort breche ich mit Doxi zu einem anderthalbstündigen Spaziergang durch das historische Herz der Stadt auf.

Über der Altstadt erhebt sich der Domberg mit dem Dom und zahlreichen kirchlichen Einrichtungen. Historische Funde lassen darauf schließen, dass sich dort bereits um 500 v. Chr. eine keltische Siedlung befand. Mehr als eintausend Jahre später, um 760 n.Chr., entstand an diesem Ort die erste merowingische Befestigung, in deren Schutz sich eine Ansiedlung entwickelte, aus der später die Stadt hervorging.

1160 wurde eine hölzerne Brücke als Teil der Fernstraße von Köln nach Frankfurt am Main über die Lahn errichtet. In der gesamten Stadtgeschichte war sie eine der wichtigsten Einnahmequellen des Ortes. 1315 und 1346 wurde die steinerne Lahnbrücke gebaut, die noch heute existiert.

Ich bin überrascht,  wie viele schöne und gut erhaltene mittelalterliche Fachwerksbauten ich in der Altstadt antreffe. Einige davon sollen zu den ältesten noch erhaltenen Bauten in Deutschland zählen. An vielen Häusern entdecke ich aufwändige Holzverzierungen und hübsche kleine Erker. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, dass wir hier einmal Halt gemacht haben. Ganz süß diese Altstadt!

( MITI / )