Archiv der Kategorie: Unterwegs

Info: Unterwegs mit Hund

Die folgenden Beiträge aus der Rubrik „Reisen“ dokumentieren unsere Aktivitäten mit den Hunden, seien es Tagesausflüge zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Reisen mit dem Wohnmobil. Mindestens ein Hund ist immer dabei, denn sonst macht’s ja gar keinen richtigen Spaß 😉

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In der Zitadelle Jülich

Das Residenzschloss mit der Schlosskapelle im Ostflügel

Nach unserer Wanderung entlang der Rur bei Jülich besuche ich die Zitadelle Jülich, das Wahrzeichen der Stadt. Die Zitadelle war einst Bestandteil der Festung Jülich und gilt heute als eine der am besten erhaltenen Festungen in Deutschland. Sie wurde in den Jahren nach 1545 als Bestandteil einer „idealen Stadt“ im Stile der Renaissance erbaut und ist die älteste Zitadelle nördlich der Alpen. Ihr Baumeister war Alessandro Pasqualini.

Die vierzackige bastionierte Festung hat einem Umfang von rund 1200 Metern und ist umgeben von einem 10 Meter tiefen und 20 bis 30 Meter breiten Graben, der teilweise mit Wasser gefüllt ist. Die Anlage grenzte unmittelbar an die ebenfalls mit einem Befestigungswall gesicherte Stadt Jülich.

Bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. befand sich an dieser Stelle ein befestigtes Kastell zum Schutz des strategisch bedeutenden Rurübergangs an der Römerstraße Boulogne – Heerlen – Köln.  Diese Befestigung geriet beim Rückzug der Römer im 5. Jahrhundert in fränkische Hand und wurde zur Keimzelle des Jülichgaus, aus dem später erst die Grafschaft und im 14. Jahrhundert das Herzogtum Jülich hervorgingen.

In der Zitadelle befindet sich heute ein Gymnasium, das die Gebäude des ehemaligen herzoglichen Residenzschlosses mit nutzt. Das Schloss im Stil der italienischen Hochrenaissance wurde mangels geeigneter Steinbrüche in der Umgebung aus Ziegeln gemauert. Die vierflügelige Anlage besaß zwei Etagen, vier Ecktürme, sowie eine Kapelle in der Mitte des Ostflügels. Sie bildete den architektonischen Höhepunkt der Anlage. Der damalige Herzog als Bauherr sympathisierte stark mit reformatorischen Ideen. Deshalb könnte die Kapelle der erste evangelische Kirchenbau im gesamten Rheinland gewesen sein.

Die hervorragend erhaltene Anlage leidet heute unter den Grundwasserabsenkungen durch die vielen umliegenden Braunkohle-Tagebaue. Sie haben die Gründung der Festung trockenfallen lassen und erzeugen erhebliche Bergschäden, weil die Zitadelle in weiten Teilen lediglich auf Sand steht, der nun ins Fließen gerät. Eine stetig wachsende Verwerfung läuft von Nordwesten nach Südosten quer durch die Zitadelle. Bereits in den 1980er Jahren musste der Südflügel des Schlosses aufwendig gesichert werden. Der Niveauunterschied zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil des Südflügels beträgt inzwischen fast 50 cm.

Bei unserem Besuch werden die Grünanlagen rund um das Residenzschloss für die Ausstellung zahlreicher Stahlstelen des Künstlers Ren Rong genutzt. Der deutsche Künstler chinesischer Herkunft lebt und arbeitet vorwiegend in Bonn und in Peking. Er gilt als einer der international bekanntesten Künstler chinesischer Herkunft der Gegenwart. Die Stelen fügen sich ganz wunderbar in die Anlage ein. Ein tolles Bild!

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Von der Rur zum Haus Overbach

Haus Overbach

Zweiter Testtag für meine neue Wanderregenjacke. Heute sind wir im Regen an der Rur bei Jülich unterwegs. Wir starten am Brückenkopfpark, der nach einer Festungsanlage aus napoleonischer Zeit benannt ist, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichtet wurde und die Stadt von Westen her schützen sollte.

Die Anlage befand sich an einer bereits in der Antike bedeutenden Stelle. Hier kreuzte die Römerstraße „Boulogne – Heerlen – Köln“ an einem der wenigen gangbaren Rurübergänge den wilden Fluss und eröffnete damit den Zugang ins Rheinland. Wir wandern in nördlicher Richtung an der Rur entlang und laufen durch die Rurauen, in denen sich der Fluss bei Hochwasser ungestört ausdehnen kann.

Bald passieren wir den kleinen Ort Broich und biegen dahinter in Richtung Westen zum Barmener Baggersee ab, einer ehemaligen Kiesgrube, die heute als Naherholungsgebiet dient. Wir umrunden den See auf ufernahen Pfaden und laufen anschließend auf das Haus Overbach zu, einer früheren Wasserburg im Jülicher Stadtteil Barmen.

Die erste urkundliche Erwähnung von Haus Overbach als Rittersitz datiert aus dem Jahre 1341 in einer Urkunde von Johannes de Overbach. Der Gebäudekomplex ist heute im Besitz der Ordensgemeinschaft der Oblaten des hl. Franz von Sales. Die Gebäude werden als Verwaltungsgebäude des Ordens, als Kloster und auch für ein kirchliches Gymnasium genutzt. Zwei meiner Jugendfreunde haben hier vor 30 Jahren ihren Zivildienst abgeleistet und so lange war ich nicht mehr hier. Ich bin überrascht, so unvermittelt auf die Anlage zu stoßen und bekomme ein wenig nostalgische Gefühle. Damals waren wir noch jung …

Durch schönen Wald geht es auf einem Waldlehrpfad weiter in südöstlicher Richtung nach Jülich-Koslar, das wir entlang eines Baches mit dem schönen Titel „Altdorf-Kirchberg-Koslaer-Mühlenteich“ durchlaufen. Bald erreichen wir die Rurauenstraße, eine prächtige Allee mit alten Kastanien, die uns zurück zu unserem Startpunkt am Brückenkopfpark bringt.

Dreieinhalb Stunden waren wir heute größtenteils im Regen unterwegs und haben 13 Kilometer zurückgelegt. Unter meiner neuen Jacke plus Regenhose bin ich schön trocken geblieben. So soll es sein 🙂

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Kerpen: Von Schloss zu Schloss

Schloss Loersfeld bei Kerpen

Heute haben wir zwei Schlösser an der Erft zwischen Kerpen und Türnich besucht. Unsere Wanderung startet am Schloss Loersfeld, das im 15. Jahrhundert erbaut wurde und sich heute im Besitz der Freiherren von Fürstenberg befindet. Das Schloss zählt zu den schönsten Burganlagen im Rheinland und liegt in einem zehn Hektar großen englischen Landschaftspark. Im Herrenhaus befindet sich ein unter Feinschmeckern bekanntes Restaurant, das seit 1999 mit einem Stern im Guide Michelin ausgezeichnet ist.

Unweit des Schlosses überqueren wir die Autobahn A 61 und laufen in südlicher Richtung durch den Parring auf den Kerpener Bruch und die Erft zu. Die beiden Bruchgebiete sind Restbestände der früher weit verbreiteten Hartholzauen aus Eichen, Ulmen und Erlen in der Flussniederung der Erft.

Wir wandern am Rande des Kerpener Bruches an der Erft entlang und kommen an einer interessanten Wasserkreuzung vorbei. Das Wasser der Kleinen Erft kommt aus dem Kerpener Bruch und wird mittels einer Wasserbrücke über die Erft geführt, um in östlicher Richtung weiter zu fließen.

Wenige Kilometer weiter erreichen wir das zweite Schloss auf unserer heutigen Tour. Schloss Türnich ist ein Barockschloss, dessen Historie sich bis in das Jahr 898 zurückverfolgen lässt. Das Schloss liegt inmitten eines öffentlich zugänglichen Parks, der eine Vielzahl verschiedener, teils exotischer Bäume und Sträucher enthält. Prunkstück ist eine prachtvolle Lindenallee.

Die heutige Form des spätbarocken Herrenhauses entstand Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Grundriss ähnelt stark dem von Jagdschloss Falkenlust in Brühl. Das Schloss befindet sich im Besitz von Godehard Graf von und zu Hoensbroech und ist aufgrund der Grundwassersenkung durch den Braunkohleabbau in der Region in schlechtem baulichen Zustand. Es ist derzeit unbewohnbar. Die Renovierung und Restauration aus Mitteln der Deutschen Denkmalstiftung hat jedoch begonnen.

Am Schloss beginnt unser Rückweg. Zunächst geht es wieder zur Erft und dann mitten durch den Kerpener Bruch an der Kleinen Erft entlang. Nach 14 Wanderkilometern erreichen wir wieder unseren Startpunkt am alten Forsthaus in der Nähe von Schloss Loersfeld. Das Wetter war heute war nicht so toll, aber es hat immerhin nicht geregnet, und das ist im November ja nicht unbedingt selbstverständlich.

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Durch die Ohligser Heide

Offene Heidefläche zwischen Hilden und Solingen

„Ohligser Heide“, dieser Begriff ist staugeplagten Autofahrern in NRW vor allem als Name einer Autobahnraststätte an der A3 bekannt. Tatsächlich verbirgt sich dahinter jedoch ein hübsches Naturschutzgebiet zwischen Hilden und Solingen, das von eben dieser Autobahn durchkreuzt wird.

Heute war ich mit Doxi auf einer zehn Kilometer langen Wanderung in diesem ehemaligen Heidegebiet unterwegs, das heute in Teilen bewaldet ist. Neben feuchten und trockenen Heideflächen begegnen uns offene Sandflächen, Eichen- und Birkenwälder und zahlreiche kleine Fließgewässer.

Mitten in der Ohligser Heide liegt der Engelsberger Hof, ein ehemaliges Gut, das heute ein beliebtes Ausflugslokal ist. Außerdem gibt es einen kleinen See, der an diesem windstillen und sonnenverwöhnten Novembertag ganz ruhig daliegt. Schön, dies einmal gesehen zu haben.

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Am Balkhauser Kotten

Blick vom Pfaffenberg hinunter zur Wupper am Balkhauser Kotten

Heute sind wir sehr schön an der Wupper im Grenzgebiet zwischen Solingen und Leichlingen gewandert. Die Tour begann am Wanderparkplatz in Solingen-Glüder und führte uns zunächst in westlicher Richtung entlang des linken Wupper-Ufers durch Laub- und Nadelwald. Bald verließen wir den Uferpfad und stiegen hinauf auf die Wupperhöhen bis zum Pferdeland Leide. Dort begann unser Abstieg zurück zur Wupper und hinunter zum „Alten Zollhaus“ bei Wupperhof.

Durch flaches Gelände folgten wir anschließend der Wupper in südlicher Richtung und überquerten den Fluss auf der Hälfte der Wanderstrecke bei Rüdenstein. Nun ging es auf der anderen Flusseite in nordöstlicher Richtung zurück. Nach einigen Kilometern erreichten wir den Pfaffenberg und kamen am Balkhauser Kotten vorbei, einem von zwei weitgehend im Original erhaltenen Schleifkotten an der Wupper im Bereich der Stadt Solingen.

Der Kotten ist nach dem benachbarten Wohnplatz Balkhausen benannt. Ein Obergraben zweigt von einem Wehr ab und führt das Wasser dem unterschlächtigen Wasserrad zu. Darüber werden die Schleifsteine und Polierscheiben im Inneren des Kottens angetrieben. Das Bauwerk wird heute als Industrie- und Schleifermuseum genutzt und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Solingen.

Nun ging es in einem Schlussanstieg hinauf auf den Pfaffenberg und von dort wieder hinunter nach Glüder, wo wir nach 13 Wanderkilometern und 500 Höhenmetern unseren Start- und Zielpunkt erreichten. Dort mussten wir erst einmal unsere Wanderschuhe ausschlagen, denn vor allem im ersten Teil der Tour waren viele Wege durch Pferdeberitt stark vermatscht. Doch das gehört beim Wandern in Herbst und Winter wohl einfach dazu. Kein Problem 🙂

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An der Prüm bei Ernzen

Die Holzbrücke an den Irreler Wasserfällen (die gar keine sind)

Unsere heutige, landschaftlich sehr abwechslungsreiche Wanderung führt uns in die Südeifel, nach Ernzen in der Nähe von Bitburg. Wir folgen der Tour 55 aus dem Rother Wanderfüher „Eifel“ und starten dabei auf dem Ferschweiler Plateau beim „Naturparkzentrum Teufelsschlucht“. Kurz davor befindet sich ein Dinosaurier-Erlebnispark, der an diesem sonnenverwöhnten Feiertag viele Familien anzieht. Schon am frühen Morgen sind die Parkplätze gut gefüllt.

Wir aber wollen in den Wald und steigen nach wenigen hundert Metern in die Teufelsschlucht hinab. Noch sind relativ wenige Besucher in der bizarren Felslandschaft unterwegs, so dass wir ungestört fotografieren können.

Auf engen und steilen Pfaden geht es durch die Schlucht in Richtung Norden. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Nach rund drei Kilometern weitet sich die Schlucht. Wir laufen weiter an den massiven Felswänden des Ferschweiler Plateaus entlang. Rechts von uns öffnet sich der Buchenwald, der sich an die steil abfallenden Hänge bis hinunter zur Prüm schmiegt.

So geht es über mehrere Kilometer, bis wir den Rand des Plateaus hinunter uns lassen und zur Prüm hinabsteigen. Beim Ort Prümzurlay überqueren wir die Prüm und folgen ihrem Lauf nunmehr in Richtung Süden. Kurz vor dem Ort Irrel erreichen wir die „Irreler Wasserfälle“, bei denen es sich eher um Stromschnellen als um echte Wasserfälle handelt.

Ihre Entstehung hängt eng mit der Teufelsschlucht und den eiszeitlichen Felsstürzen am Rand des Ferschweiler Plateaus zusammen. Vor rund 12.000 Jahren brachen so viele Felsblöcke am Rand der Hochfläche ab und stürzten in das 160 Meter tiefer liegende Flusstal, dass dort eine natürliche Staumauer und ein See entstand. Durch die Kraft des Wassers wurde die Staumauer im Laufe der Jahrtausende durchbrochen. Heute bahnt sich die Prüm ihren Weg zwischen den mächtigen Felsblöcken hindurch. Ganz vernehmlich rauscht der Fluss hier ein wenig in die Tiefe.

Auf einer großen Holzbrücke über die Prüm kann man dieses beeindruckende Naturschauspiel hautnah erleben. Dort überqueren wir erneut die Prüm und beginnen unseren Wiederaufstieg auf das Ferschweiler Plateau. Das Wetter heute an Allerheiligen ist einfach herrlich. In der Nachmittagssonne leuchtet uns der herbstliche Buchenwald goldgelb entgegen.

Nach knapp vier Stunden und 600 Höhenmetern erreichen wir schließlich unseren Ausgangspunkt. Gerade einmal 10,5 Kilometer haben wir in dieser Zeit zurückgelegt, doch das war dem ständigen Auf und Ab und den schwierigen Passagen in der Teufelsschlucht geschuldet. Insgesamt eine durchaus anspruchsvolle, aber auch überaus beeindruckende Tour.

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In der Freiheit Westerholt

Die Kirche

Auf unserer Wanderung rund um Schloss Herten queren wir auch den Hertener Ortsteil Westerholt mit seinem historischen Ortskern. Das sogenannte „Alte Dorf“ besteht aus rund 60 gut erhaltenen Fachwerkhäusern, die an das Wasserschloss Westerholt grenzen. Das Schloss wird heute als Hotel und Verwaltungssitz für den großen Golfplatz genutzt, der auf dem Schlossgelände beheimatet ist.

Der Name „Westerholt“ steht für das Holz im Westen von Recklinghausen und wurde im Jahre 799 als Bauernhof der Abtei Werden erstmals erwähnt. Ab 1047 ist das Geschlecht der Grafen von Westerholt, Aufsitzer der Wasserburg Westerholt, belegt.

Um die Burg mit Wall und Doppelgräfte, gesichert mit zwei Toren, siedelten sich die Schlossbediensteten, Handwerker und Bauern an, die den Schutz der Burg suchten. Diese Burgsiedlung wuchs um die Pfarrkirche St. Martini.

1421 wurde die Siedlung erstmals als „Freiheit Westerholt“ erwähnt, die sich durch die persönliche Freiheit der einzelnen Bewohner, regelmäßige Markttage, die Befestigung des Ortes sowie eine eigene Verwaltung auszeichnete.

Heute stehen die alten Häuser im Dorf unter Denkmalschutz und wurden ebenso wie das Schloss aus Mitteln des Landes und der Stadt Herten liebevoll restauriert. Ein überaus sehenswertes Ensemble, das man in dieser Form gar nicht mitten im Ruhrgebiet vermuten würde.

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Rund um Schloss Herten

Das Wasserschloss Herten

Immer wieder wundere ich mich, wie grün es doch im Ruhrgebiet ist. Heute waren wir auf einer Tour rund um Schloss Herten unterwegs. Die Wanderung Nr. 35 aus dem Rother Wanderfüher „Ruhrgebiet“ beginnt am schönen Schlosspark, der sich im Stil eines alten englischen Landschaftsgartens präsentiert. Unter den mehr als 3.000 Bäumen finden sich zahlreiche exotische und seltene Gehölze, die von den früheren, diplomatisch tätigen Schlossbesitzern aus fernen Ländern mitgebracht wurden.

Das Wasserschloss wurde 1376 erstmals urkundlich erwähnt. Nach dem ersten Weltkrieg verfielen das Schloss und der Park allmählich, bis sie ab 1974 durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe saniert und restauriert wurden.

Heute dient ein Teil der Anlage als Sozialzentrum und Tagesklinik der angrenzenden LWL-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die in zahlreichen neu entstandenen Gebäuden auf dem westlichen Schlossareal beheimatet ist. Darüber hinaus wird das Schloss für vielfältige kulturelle Veranstaltungen genutzt. Und auf den ausgedehnten Rasen- und Wasserflächen rund um das Schloss hat eine große Kolonie Kanadischer Wildgänse ein hübsches Zuhause gefunden.

Hinter dem Park erstreckt sich der „Schlosswald“, ein großer Mischwald, den wir in südlicher Richtung durchwandern. Dann geht es nach Norden am Stadtteil Herten-Resse vorbei und über freies Feld nach Westen in Richtung auf Schalke-Buer. Wir laufen weiter in östlicher Richtung durch die Lochterheide auf den großen Golfplatz von Schloss Westerholt zu und durchqueren ihn. Schließlich biegen wir wieder nach Südosten in Richtung Herten ab.

Obwohl die Region dicht besiedelt ist, waren wir auf der 17 Kilometer langen Tour fast ausschließlich im Grünen unterwegs. Und nur einige Male mussten wir viel befahrene Straßen kreuzen. Eine wirklich gelungene Streckenführung.

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Wegberg – Im Tal der Wassermühlen

Künstlich angelegter Weiher an der Holtmühle

Heute Nacht hat es über Deutschland ordentlich gestürmt, doch am Morgen hat sich die Lage zumindest bei uns im Westen bereits wieder deutlich entspannt. Unter einem blauen Himmel fahren wir am Morgen nach Wegberg, um an der Schwalm den bekannten Mühlenwanderweg zu laufen.

An der Schwalm und ihren Nebenbächen standen einst 25 Mühlen. Im Stadtgebiet von Wegberg sind davon noch sieben Schwalmmühlen erhalten und sechs Mühlen an den Nebenbächen. Teilweise verfügen diese Mühlen über künstlich angelegte Weiher als Wasserspeicher für regenarme Zeiten, wenn die Schwalm wenig Wasser führt.

Bei den Mühlen im Schwalmtal handelt es sich meist um Öl- und Mahlmühlen. Bei den Ölmühlen drehen sich zwei senkrecht nebeneinanderstehende Mühlsteine auf einem Lagerstein und zerquetschen die Ölsaat. Bei einer Mahlmühle wird das Mahlgut
zwischen zwei liegenden Mühlsteinen gemahlen.

Der Mühlenwanderweg führt an einigen dieser Mühlen vorbei. Wir durchqueren Wald- und Feldflächen, Naturschutzgebiete und laufen immer wieder entlang der Schwalm und den sie umgebenden Feuchtgebieten. Bei schönem Wetter ist hier sicher eine Menge los, aber wir sind so früh dran, dass wir auf der 11 Kilometer langen Tour nur relativ wenige Menschen treffen. Schön ist das.

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Verborgene Pfade im Siebengebirge

Blick hinauf zur Burg Drachenfels. Davor der verlassene Burghof.

Am Drachenfels im Siebengebirge bei Königswinter ist immer eine Menge los. Deshalb haben wir für unsere heutige Wanderung eine Tour mit dem verheißungsvollen Titel „Auf verborgenen Pfaden durchs Siebengebirge“ gewählt. Wir hoffen, so den ganz großen Touristenströmen aus dem Weg zu gehen. Doch zunächst starten wir ganz konventionell an der Talstation der Drachenfelsbahn.

Wir folgen einem schmalen und steilen Asphaltweg hinauf zum Lemmerzbad. Dann passieren wir die Nibelungenhalle und kommen bald durch einen schönen Hohlweg zum mittlerweile verlassenen Burghof. Von dort haben wir einen feinen Blick hinauf zur Burgruine Drachenfels, hinüber zum Schloss Drachenburg und über den Rhein hinweg hinunter nach Bonn.

Die Burgruine Drachenfels ist der verbliebene Rest einer Höhenburg, die 1138 vom Kölner Erzbischof Arnold I. am strategisch wichtigen Übergang vom Siebengebirge zur Kölner Bucht errichtet wurde. Die Burg und der Drachenfels unter ihr bestehen aus wertvollem Trachyt, der im Mittelalter vor allem für den Bau von Kirchen verwendet wurde. So bestand die ursprüngliche Außenfassade des Kölner Doms komplett aus Drachenfelser Trachyt.

Schloss Drachenburg ist ein schlossartiges Anwesen unterhalb der Burg Drachenfels, das zwischen 1882 bis 1884 im historisierenden Stil der Neogotik und Neorenaissance errichtet wurde. Bauherr war der Börsenmakler und spätere Baron Stephan von Sarter, der jedoch nie in dem Schloss wohnte.

Wir nehmen den steilen Weg am Mammutbaum vorbei in Richtung Wolkenburg und biegen kurz vor dem Ausflugslokal „Milchhäuschen“ nach rechts in eine schmale Serpentine Richtung Rhöndorf ab. Durch schönen Buchenwald gelangen wir zur Schutzhütte am Kuckuckstein mit einem tollen Blick durch den Wald hinunter zum Rhein. Weiter geht es zur Jungfernhardt und dann zum Geisberg mit Ausblick auf den Drachenfels und die Löwenburg hoch über dem Rhein.

Bald passieren wir das Milchhäuschen und biegen in einen steilen und rutschigen Pfad ein, der uns an den Höhleneingängen zu den Ofenkaulen vorbeiführt. In den heute verschlossenen Stollen wurde ab dem späten Mittelalter Trachyttuff abgebaut, der für die Auskleidung von Backöfen unverzichtbar war. Am Ende des Zweiten Weltkrieges mussten Zwangsarbeiter in den bombensicheren Stollen unter entsetzlichen Bedingungen Rüstungsgüter für die Wehrmacht herstellen. Heute werden die Stollen von Fledermäusen bewohnt.

Wir wandern weiter abwärts bis zur Auffahrt zum Petersberg. Dort nehmen wir den Waldweg in Richtung Königswinter. Dieser mündet in den Bittweg zum Kloster Heisterbach mit zahlreichen steinernen Wegkreuzen.

Dieser Weg führt uns schließlich zurück nach Königswinter und zu unserem Ausgangspunkt, wo wir nach vier Stunden, elf Wanderkilometern und 500 Höhenmetern wieder eintreffen. Die Tour hat gehalten, was ihr Name verspricht. An einigen Stellen haben wir viel genutzte Wege gekreuzt, aber dazwischen waren wir immer wieder fast alleine auf naturnahen Pfaden unterwegs. Vielen Dank an den Autor der Tour Christian Kotterba alias „Topograf“.

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Auf nach Münster

Der St.-Paulus-Dom am Domplatz

So viele Menschen aus meinem Bekanntenkreis waren schon einmal in Münster, der Stadt des westfälischen Friedens, nur ich irgendwie noch nicht. Als fahre ich nach unserer Wanderung durch die Hard weiter in die nur 70 Kilometer entfernte Stadt an der Aa.

Münster war von 1815 bis 1946 Hauptstadt der preußischen Provinz Westfalen. Die zwanzigst größte Stadt Deutschlands liegt im Zentrum des nach ihr benannten Münsterlandes zwischen Dortmund und Osnabrück. Bekannt ist Münster als Fahrrad- und Universitätsstadt sowie für seine historische Altstadt.

Wir parken am Rande der Altstadt in der Nähe des Schlossplatzes, wo gerade die große Kirmes „Send“ stattfindet. Die Eingänge sind gut gesichert. Jeder Besucher muss seine Taschen vorzeigen und es ist viel Polizei unterwegs.

Schon von weitem fallen mir die vielen Kirchtürme auf, die das Bild der Altstadt prägen. Wir laufen zunächst zum Domplatz, wo im 6. Jahrhundert die Besiedlung der Region begann. Hier steht der St.-Paulus-Dom, neben der berühmten Lambertikirche das wichtigste Gotteshaus in Münster.

Vom Domplatz kommen wir zum Prinzipalmarkt mit seinen prächtigen Kaufmannshäusern aus der Zeit zwischen 1358 und 1454, als Münster Mitglied der Hanse war. Die meisten dieser Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört und später vereinfacht wiederaufgebaut. Hier befindet sich auch das historische Rathaus, in dem 1648 der Dreißigjährige Krieg durch Besiegelung des Westfälischen Friedens beendet wurde.

Entlang die Sichtachse des Prinzipalmarktes blicken wir auf die Kirche St. Lamberti mit den berühmten Körben der drei hingerichteten Täufer. 1534 begann diese dramatische Episode, die in der Proklamation des Königreichs Zion durch Jan van Leyden gipfelte. Doch bereits im Juni des darauffolgenden Jahres wurde die Stadt von Truppen des Bischofs Franz von Waldeck eingenommen. Die gefolterten und hingerichteten Anführer des Täuferstaates wurden anschließend zur Abschreckung in drei eisernen Körben an der Lambertikirche aufgehängt. Dort hängen die Originalkörbe aus dem Jahre 1535 noch immer.

Wir drehen eine Runde durch die Altstadt und kommen schließlich zum fürstbischöflichen Schloss, dem Sitz und Wahrzeichen der Westfälischen Wilhelms-Universität. Hier werden an diesem Freitagnachmittag gerade mehrere Promotionen gefeiert. Die frisch ernannten Doktoren stolzieren mit lustigen Hüten durch den großen Schlosspark und werden von Freunden und Verwandten beglückwünscht. Endlich tritt in diesem Moment die Sonne hinter dem grauen Herbsthimmel hervor. Das haben sich die fleißigen Doktoranden sicher verdient.