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Im Steigerwald, Oberfranken und Thüringen

Die Burg Sanspareil

Die Burg Sanspareil

Wir sind zurück von unserer ersten echten Frühlingstour in diesem Jahr. Bei herrlichem Wetter waren wir ganz ohne Regen zehn Tage im Steigerwald und in den Haßbergen (am Main), in Oberfranken und im Thüringer Wald unterwegs.

Auf dem Hin- und Rückweg haben wir in Hessen Station gemacht und dabei Wetzlar, Marburg und den wunderschönen Edersee besucht. Dazwischen waren wir in Iphofen, Ebrach, Eltmann, Bad Staffelstein, Seßlach, Heldburg, Bayreuth, Hollfeld, Coburg, Vesser, Ilmenau, Arnstadt, Erfurt und Eisenach.

Wir haben viele schöne Fachwerkhäuser und liebevoll hergerichtete Osterbrunnen gesehen, imposante Burgen, Barockkirchen und Gartenanlagen besucht, sind ein Stück weit Goethes Spuren und den verbliebenen Resten der ehemaligen Deutsch-Deutschen-Grenze gefolgt und haben unserer Verwandten in Erfurt besucht.

Mehr als 250 Kilometer sind wir in diesen zehn Tagen gewandert, erstmals auch mehr als 30 Km an einem Tag. War eigentlich gar nicht so anstrengend. Außer für die Füße 🙂 6.500 Höhenmeter haben wir dabei erklommen und herrliche Ausblicke auf die Landschaft genossen. Deutschland ist einfach schön!

Alle Fotos und Reiseberichte von dieser eindrucksvollen Tour gibt es hier im Blog.

( MITI / )

In der Altstadt von Marburg

Der Weg hinauf zum Landgrafenschloss führt über viele Stufen

Der Weg hinauf zum Landgrafenschloss führt über viele Stufen

Wow, so viel altes Fachwerk und gleichzeitig so viele junge Menschen, so hatte ich mir Marburg, die alte Universitätsstadt, gar nicht vorgestellt. Wir stehen mit dem Wohnmobil mit Blick ins Grüne an den Lahnauen in unmittelbarer Nähe zur Lahn, nicht weit von der Oberstadt entfernt, die den historischen Kern von Marburg bildet.

Bei einem ausgedehnten Abendspaziergang erkunde ich mit Doxi die Oberstadt bis hinauf zum Landgrafenschloss am höchsten Punkt. Würden Autos und Menschen nicht auf die Jetztzeit verweisen, man könnte sich gleich wie im Mittelalter fühlen. Schön ist das hier.

( MITI / )

Am schönen Edersee

Blick über den Edersee zum Schloss Waldeck

Blick über den Edersee zum Schloss Waldeck

Wir haben Thüringen verlassen und sind weiter gefahren in den Westen von Hessen, zum schönen Edersee, dem flächenmäßig zweitgrößten Stausee in Deutschland. Mit dem Wohnmobil stehen wir in wunderbar naturnaher Lage direkt an einem Fischteich in unmittelbarer Nähe zum Edersee.

Von hier aus unternehmen wir am Abend eine schöne Wanderung entlang des Sees zur 48 Meter hohen Staumauer. Gleich gegenüber liegt auf einer Anhöhe das Schloss Waldeck.

Am nächsten Morgen starten wir zu einer Wanderung in den Naturpark Kellerwald, der auf der Nordseite direkt an das südliche Ende des Sees grenzt. Unser Ziel ist der Peterskopf, wo EON auf 506 Meter ü.N.N: ein großes Pumpspeicherbecken betreibt, das ein Kraftwerk am Fuße des Berges antreibt.

Der Kellerwald ist ein beliebtes Ausflugsgebiet, aber an diesem Dienstagmorgen ist hier gar nichts los. Wir genießen die Wanderung durch die ausgedehnten Buchenwälder und wandern auf dem Rückweg am Seeufer entlang zu unserem Stellplatz zurück.

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Wartburg und Drachenschlucht

Die Wartburg, UNESCO Weltkulturerbe am Nordrand des Thüringer Waldes

Die Wartburg, UNESCO Weltkulturerbe am Nordrand des Thüringer Waldes

Die Wartburg, auf der einst Martin Luther Zuflucht fand, ist heute eines der meist besuchten touristischen Ziele Deutschlands. Das UNSECO Weltkulturerbe war im Mittelalter der Stammsitz der Landgrafen von Thüringen.

Von der Eisenacher Altstadt erreicht man die Burganlage zu Fuß in rund 25 Minuten. Als Kind war ich das erste Mal dort, im Rahmen eines DDR-Besuchs bei unseren „Ost-Verwandten“ in Erfurt. Damals war die Burg zwar geschlossen, die Gaststätte unterhalb der Burg aber geöffnet. Bis heute erinnere ich mich an das große Glas Himbeer-Brause, das ich dort getrunken habe. So etwas kannte ich aus dem Westen nicht.

Vierzig Jahre später stehe ich wieder vor der Wartburg, und diesmal ist sie geöffnet. Früh am Morgen bin ich mit Doxi von unserem Stellplatz am Automuseum losmarschiert, um dem ganz großen Besucherandrang vorzukommen. Und tatsächlich sind wir fast die Ersten an diesem Morgen. Leider ist der Himmel bedeckt und das Licht für Fotoaufnahmen nicht so schön. Aber egal. Endlich auf der Wartburg!

Nach einem Rundgang durch die Burganlage geht es von dort auf eine 15 Km-Wanderung durch die angrenzenden Ausläufer des Thüringer Waldes. Wir steigen zunächst hinab zur „Sängerwiese“ unterhalb der Wartburg. Dann geht es weiter durch das Naturschutzgebiet „Wartburg – Hohe Sonne“ hinab in die Drachenschlucht, einem wirklich faszinierenden Ort.

Denn die drei Kilometer lange, von einem Bach durchflossene Schlucht verengt sich immer wieder so stark, dass der Bach mit Holzstegen oder Eisengittern überdacht werden musste, damit man als Fußgänger überhaupt weiterkommt. An der schmalsten Stelle ist der Durchgang nur 68 Zentimeter breit. Links und rechts erheben sich steile Felswände, die mit Moosen bewachsen sind und von denen es herabtropft. Unter den Füßen der tosende Bach. Doxi findet es ein wenig unheimlich, aber ich finde es ganz toll.

Wir folgen dem Bach und der Schlucht stetig aufwärts, bis wir am Ende den berühmten Rennsteig erreichen, der der Kammlinie des Thüringer Waldes folgt. Dem Rennsteig folgend gelangen wir nach einigen Kilometern wieder zur Sängerwiese und von dort über die Wartburg zurück nach Eisenach. Eine tolle Wanderung!

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In der Altstadt von Eisenach

Der Marktplatz von Eisenach

Der Marktplatz von Eisenach mit dem Rathaus (rot). Links daneben das alte Stadtschloss.

Eisenach, die Stadt im Tal der Hörsel am Nordrand des Thüringer Waldes, in der Johann Sebastian Bach geboren und der legendäre Wartburg gefertigt wurde. Hier machen wir am Abend Station, um am darauffolgenden Morgen zur Wartburg hinauf zu wandern. Doch zuvor unternehmen wir einen schönen Abendspaziergang durch die historische Altstadt, in der es eine Menge zu entdecken gibt.

Eisenach hat eine lange Tradition als Industriestandort. Im Jahre 1896 wurde hier die Fahrzeugfabrik Eisenach gegründet, die ab 1928 zu BMW gehörte und später zu DDR-Zeiten als Automobilwerk Eisenach (AWE) den Wartburg fertigte. Die Tradition des Automobilbaus wurde nach 1990 durch die Adam Opel AG fortgeführt. Die Werke der Automobilindustrie wie Opel und Bosch beschäftigen heute über 4.000 Mitarbeiter.

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Rauf auf den Kickelhahn

Blick hinunter vom Kickelhahn auf die westlichen Randbezirke von Ilmenau

Blick hinunter vom Kickelhahn auf den Ort Manebch, westlichen von Ilmenau

Heute bin ich mit Doxi auf den Kickelhahn gestiegen, den Hausberg von Ilmenau. Der bis zur Spitze komplett bewaldete Berg liegt am Nordrand des Thüringer Waldes. Er weist eine Höhe von 761 Meter u.N.N. auf und wurde vor allem durch verschiedene Aufenthalte Goethes bekannt, bei denen u.a. sein Gedicht „Wandrers Nachtliede“ (Über allen Gipfeln ist Ruh…) entstand. Goethe kratzte dieses Gedicht In die Holzwand einer Jagdhütte, die seither als „Goethehäuschen“  bekannt ist.

Auf dem Berggipfel befinden sich ein Aussichtsturm mit angeschlossener Gaststätte, ein Funkmast der Telekom, sowie die Fundamente einer alten Jagdhütte, die die Weimarer Hofgesellschaft zu Goethes Zeiten regelmäßig für ihre Jagden am Kickelhahn nutzte. Von der Hütte gingen drei überdachte, in den Waldboden eingelassene Gänge ab, an deren Ende jeweils ein oberirdischer Jagdstand errichtet war. So konnten die hohen Herrschaften unbemerkt vom Wild von der Hütte in eine gute Schussposition wechseln.

Eine weitere Sehenswürdigkeit am Kickelhahn ist der nordwestlich des Gipfels gelegene Felsen „Großer Hermannstein“, an dessen bergabwandter Seite eine natürliche Höhle Wanderern als Schutzraum dient. Dieser und andere Orte auf dem Kickelhahn sind heute über den „Goethe Wanderweg“ erschlossen, dem wir heute gefolgt sind.

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Zwischenstopp in Arnstadt

Das Rathaus von Arnstadt am Marktplatz

Das Rathaus von Arnstadt am Marktplatz

Ich bin auf dem Weg von Ilmenau am Nordrand des Thüringer Waldes zu Verwandten in Erfurt. Auf halber Strecke lege ich einen Zwischenstopp in Arnstadt ein. Bei herrlichem Sonntagswetter unternehme ich mit Doxi einen ausgedehnten Spaziergang durch den gut restaurierten historischen Stadtkern mit seiner teilweise erhaltenen Stadtmauer.

Arnstadt ist die älteste urkundlich erwähnte Stadt in Thüringen. Von hier stammen auch die ersten urkundlichen Erwähnungen der Thüringer Bratwurst (1404) und des deutschen Weizenbiers außerhalb Bayerns (1617). Darüber hinaus ist Arnstadt eine von fünf Bachstädten in Thüringen: Hier hatte Johann Sebastian Bach an der neuen Kirche seine erste Anstellung als Organist in den Jahren 1703 bis 1707.

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In Ilmenau

In Ilmenau ist alles Goethe

In Ilmenau ist fast alles Goethe

Heute sind wir einmal quer durch den Thüringer Wald gefahren. Nach unserer Wanderung durch das Vessertal am Südrand des Mittelgebirges, sind wir zunächst nach Oberhof gefahren. Hier auf dem Kamm des Thüringer Walds verläuft der Rennsteig, auf dem ich eine Etappe wandern wollte. Doch Oberhof ohne Schnee wirkt so trostlos, dass wir gleich weitergefahren sind, nach Ilmenau am Nordrand des Thüringer Waldes.

Die Goethe- und Universitätsstadt bietet einen kostenlosen Womo-Stellplatz an der Festhalle im Stadtteil Ilmenau-Bad. Von dort unternehme ich mit Doxi am Abend einen Spaziergang durch die Stadt. Es ist nicht viel los an diesem Samstagabend, aber dadurch können wir auch ungestört Fotos machen 🙂

In Ilmenau ist fast alles Goethe, weil der große Dichter bis zum Ende seines Lebens insgesamt 28-mal in Ilmenau weilte. Neben seinen Aufgaben als Minister nutzte Goethe seine Besuche in Ilmenau auch, um Abstand vom Leben am Weimarer Hof zu gewinnen und literarisch tätig zu sein. So beendete er hier 1779 die Arbeiten an seinem Werk „Iphigenie auf Tauris“.

Bei einer seiner Wanderungen auf den Ilmenauer Hausberg Kickelhahn kritzelte Goethe 1780 an die Wand des dortigen Bretterhäuschens eines seiner bekanntesten Gedichte, des Wanderers Nachtlied. Und nicht zuletzt schrieb er 1783 zum 26. Geburtstag des Herzogs Karl August das Gedicht „llmenau“, mit dem er der Stadt in 191 Versen ein literarisches Denkmal setzte.

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Im Biosphärenreservat Vessertal

Aufstieg zum Adlersberg durch das Roßbachtal

Aufstieg zum Adlersberg durch das Roßbachtal

Von Coburg in Oberfranken sind wir 40 Kilometer nach Norden in den Thüringer Wald gefahren. Unsere heutige Wanderung führt uns ins UNESCO Biosphärenreservat Vessertal, das als eines der schönsten Wandertäler Mitteldeutschlands gilt. Wir starten am Ortsrand von Breitenbach, das zur Verbandsgemeinde Sankt Kilian gehört.

Zunächst folgen wir dem Roßbach durch das Roßbachtal hinauf zum hochgelegenen Gasthof Stutenhaus. Unbeabsichtigt scheuchen wir durch unsere Annäherung eine Eule auf, die geräuschlos in Augenhöhe ganz nahe an uns vorbei zum nächsten Baum fliegt. Wirklich beeindruckend.

Ein Stück weiter erreichen wir die Spitze des Adlersbergs, der von einem steinernen Aussichtsturm gekrönt wird. Wir sind damit am höchsten Punkt unserer Wanderung auf fast 1000 Meter ü.N.N. angekommen.

Nun geht es abwärts durch den Wald zur Gemeinde Vesser, wo wir auf den Vesserbach treffen. Dieser begleitet uns beim weiteren Abstieg durch das Vessertal bis hinunter zu unserem Ausgangspunkt in Breitenbach. Es plättschert und rauscht, alles tiefblau, durch grüne Wiesen und Wälder, die sich selbst überlassen sind. Sehr romantisch diese 18 Km Wanderung.

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Rund um die Veste Coburg

Luftbild der Veste Coburg (Foto: Presse03)

Luftbild der Veste Coburg (Foto: Presse03 | http://commons.wikimedia.org | Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE)

Unsere letzte fränkische Station auf dieser Reise: Das herzogliche Coburg  mit der gut erhaltenen Veste oberhalb der Altstadt. Bei lauen Temperaturen unternehme ich mit Doxi einen Abendspaziergang erst durch die Altstadt und dann durch den Hofgarten hinauf zur Veste.

Viele junge Leute sind an diesem Freitagabend unterwegs. Im Park wird fußballgespielt, bei einem Bier gechillt oder Händchenhaltend verliebte Blicke ausgetauscht. So fühlt sich der Frühling an 🙂

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Kainachtal und Sanspareil

Die Burg Sanspareil

Die Burg Sanspareil

Ich liebe die Fränkische Schweiz! Jetzt bin ich endlich mal wieder da. Von Hollfeld starte ich mit Doxi bei herrlichem Wetter eine 22 Km lange Wanderung, die uns zunächst durch das liebliche Kainachtal führt. Als eines von ganz wenigen Tälern der Fränkischen Schweiz wird es nicht von Straßen durchschnitten.

Beim Dorf Kainach beginnt unser Aufstieg auf das Hochplateau. Der Weg führt entlang der für die Fränkische Schweiz typischen Magerrasenhängen, die hier mit Wachholderbüschen bewachsen sind.

Auf dem Hochplateu angekommen ist in der Ferne bereits die Burg Sanspareil zu erkennen, die wir über den Ort Wonsees erreichen. Am Fuße der gut erhaltenen Burg erstreckt sich in einem Buchenhain ein Felsengarten, den einst die Markgräfin Wilhelmine zu Bayreuth anlegen ließ. Es war die Epoche, in der Grotten, Höhlen und Ruinenkulissen beim romantisierenden deutschen Adel hoch im Kurs standen.

Hinter dem Örtchen Kleinbül erreichen wir das schöne Erbachtal, durchqueren Wald und Wiesengründe und kommen über die Orte Schönfeld und Pilgerndorf zurück nach Hollfeld.

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Wunderbare Eremitage Bayreuth

Orangerie mit Sonnentempel in der Emeritage in Bayreuth

Orangerie mit Sonnentempel in der Emeritage in Bayreuth

Heute ist wieder Saunatag! Wir sind weiter gefahren zur Lohengrin Therme, rund sieben Kilometer von der Bayreuther Innenstadt entfernt und in unmittelbarer Nähe zum Landschaftspark Eremitage.

Ich wandere mit Doxi über Wiesen und Felder und durch das Tal des Roten Mains zu dieser wunderbaren Parkanlage mit zahlreichen Wasserspielen und sehenswerten Bauwerken, die ab dem Jahr 1715 entstanden ist.

Noch sind die Bäume ohne Grün und die Skulpturen im Park und an den Brunnen unter ihren winterlichen Schutzhüllen verdeckt. Dennoch bin ich total angetan von den verschiedenen Gärten und Parks. Wie schön das hier ist!

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Stadtbummel durch Bayreuth

Haus Wahnfried mit Richard-Wagner-Museum

Haus Wahnfried mit Richard-Wagner-Museum

Nach einigen Tagen auf dem Land ist es schön, mal wieder in einer größeren Stadt zu sein. Wir stehen mit dem Womo am Jean-Paul-Platz zentral in der Altstadt von Bayreuth und unternehmen von dort einen Bummel durch die Innenstadt.

Die Stadt verbreitet ein angenehmes Flair: Schöne alte Häuser, repräsentative Regierungsbauten von früher und heute, prachtvolle Parkanlagen und an jeder zweiten Ecke Wagner, Wagner, Wagner. Sehr nett ist das hier. Dieser Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt.

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Auf dem Kolonnenweg bei Heldburg

Heldburg im südlichsten Zipfel von Thüringen, auf drei Seiten von Bayern umschlossen

Heldburg im südlichsten Zipfel von Thüringen, auf drei Seiten von Bayern umschlossen

Wir sind im südlichsten Zipfel von Thüringen unterwegs. Das Heldburger Land liegt zwischen den Flüssen Helling, Kreck und Rodach. Es wird an drei Seiten umschlossen von den nördlichen Gebieten der bayerischen Bezirke Unter- und Oberfranken.

Nach der deutschen Teilung führte dies dazu, dass das Gebiet vollständig in die 1952 geschaffene Sperrzone an der innerdeutschen Grenze geriet. Die isolierte Lage behinderte Bewohner, Wirtschaft und Verkehr massiv, zumal die DDR in den Jahren 1952 und 1961 Zwangsaussiedlungen von „politisch unzuverlässigen Personen“ vornahm.

Über der Stadt erhebt sich ein 406 Meter hoher markanter Berg mit der Veste Heldburg, einer hochmittelalterlichen Höhenburg, die im 16. Jahrhundert als Schloss im Stil der Renaissance umgebaut wurde. Aufgrund ihrer exponierten Lage ist sie auch „Fränkische Leuchte“ bekannt, als Pendant zur „Fränkischen Krone“, der in Sichtweite und nur rund 15 Km entfernten Veste Coburg. Auf der Veste Heldburg soll in diesem Jahr das Deutsche Burgenmuseum eröffnet werden. Im Moment wird dort aber noch gebaut.

Sehenswert ist aber auch die Altstadt von Heldburg mit ihren restaurierten Fachwerkbauten aus der Frühen Neuzeit. Sie ist von einer Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert umgeben.

Wir wandern auf dem Lutherweg zunächst hinauf zur Veste Heldburg und dann durch den Wald in Richtung der Nachbargemeinde Bad Colberg. Dabei folgen wir über mehrere Kilometer auf dem sogenannten Kolonnenweg der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Im Gegensatz zum Rest der Grenzanlage ist der Kolonnenweg auch heute noch weitgehend erhalten, da er aus einheitlichen, verwitterungsbeständigen Betonteilen hergestellt wurde.

Zu DDR-Zeiten diente der Kolonnenweg den DDR-Grenztruppen dazu, jeden Punkt der Grenze möglichst schnell mit Fahrzeugen zu erreichen. Zwischen dem Kolonnenweg und der eigentlichen Grenze befand sich dann noch der Kontrollstreifen und der eigentliche Grenzzaun.

Auf dem Weg passieren wir Billmuthausen, eine Gemeinde direkt an der innerdeutschen Grenze, die zwischen 1961 und 1978 von den DDR-Behörden nach und nach zerstört wurde. Heute erinnert eine Gedenkstätte an den Untergang des Ortes.

Oberhalb ist noch ein ehemaliger Grenzwachturm der DDR erhalten, der in den letzten Jahren vom Bund für Umwelt- und Naturschutz für die Überwinterung von Fledermäusen hergerichtet wurde.

Für mich ist es ein ganz besonderes Gefühl, hier auf dem ehemaligen Grenzstreifen unterwegs zu sein, da meine Familie viele Jahre durch die Grenze getrennt wurde. Wie schön, heute zu erleben, dass über die Deutsch-Deutsche-Teilung im wahrsten Sinne des Wortes Gras gewachsen ist.

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Rund um Seßlach

Rothenberger Stadttor an der mittelalterlichen Brücke über die Rodach

Rothenberger Stadttor an der mittelalterlichen Brücke über die Rodach

Langsam nähere ich mich der ehemaligen Deutsch-Deutschen-Grenze zwischen Bayern und Thüringen. Heute bin ich in Seßlach, einem echten Bilderbuchstädtchen, das mich in seiner mittelalterlichen Struktur an Rothenburg ober der Tauber erinnert, nur alles ein wenig kleiner. Es gibt eine komplett erhaltene Stadtmauer, mehrere Stadttore und zahlreiche gut erhaltene Fachwerksbauten.

Seßlach beherbergt eines der wenigen noch aktiven Gemeindebrauhäuser. Das Reinheitsgebot sicherte über Jahrhunderte hinweg die bürgermeisterliche Anordnung „Es darf nicht mehr in den Bach geschissen werden, morgen ist Brautag.“

Heute wird in dem 1892 errichteten Kommunalbrauhaus immer freitags braunes Landbier und saisonbedingt auch Bockbier hergestellt. 1300 bis 1500 Hektoliter werden jährlich gebraut und als Hausbräu unter anderem an zwei Gasthöfe abgegeben.

Am Abend drehe ich mit Doxi eine 12 Km-Runde durch Wiesen und Wälder rund um Seßlach. Dabei passieren wir zahlreiche Grenzsteine aus dem 18. Jahrhundert, die früher die Einflussbereiche der Bischöfe von Würzburg und der Herzöge von Coburg trennten. Außerdem begegnen wir verschiedenen Pilgerskulpturen auf den Wegabschnitten, die zu der rund 20 Kilometer entfernten Basilika Vierzehnheiligen führen.