Rund um Eppstein

Blick hinunter in das Zentrum von Eppstein mit der Burgruine Eppstein

Wir haben die Nacht in Eppstein verbracht, im Tal des Schwarzbachs, rund 15 Kilometer von Königstein entfernt. Dort sind wir mit dem Womo auf dem großen S-Bahn-Parkplatz „abgestiegen,„, den wir in der Nacht fast für uns allein hatten. Über die Bahngleise hinweg strahlte uns die nächtlich erleuchtete Ruine der Burg Eppstein aus dem Ortszentrum an.

Am Morgen brechen wir zu einer 17 Kilometer langen Wanderung rund um Eppstein auf, das als „Perle der Nassauischen Schweiz“ gilt. Wir laufen zunächst am Fuß der Burg vorbei und steigen dann in Serpentinen zum Kaisertempel auf, einer 1878 im Stil der griechischen Antike errichteten Erinnerungsstätte, die die Reichseinigung unter Kaiser Wilhelm feiert und einen fantastischen Talblick hinunter nach Eppstein bietet. Nicht weit davon entfernt liegt der Mendeslsohnstein, der an den Komponisten Mendelssohn Bartholdy erinnert, der einige Jahre regelmäßig in Eppstein weilte.

Weiter geht es auf den Staufen-Berg, der bereits zum Frankfurter Stadtwald gehört, auch wenn das Stadtzentrum noch mehr als fünfzehn Kilometer entfernt liegt. Auf der Felsklipppe „Großer Mannstein“ haben wir einen tollen Fernblick nach Norden in Richtung Königstein und dem dahinter aufragenden Großen Feldberg. In südlicher Richtung ist deutlich die Frankfurter Skyline mit ihren Hochhaustürmen zu erkennen, außerdem die Chemieanlagen in Frankfurt Hoechst und dahinter der internationale Flughafen Frankfurt.

Nun beginnt unser langer Abstieg hinunter ins Tal des Lorsbachs zum gleichnamigen Ort. Von dort geht es wieder hinauf zur Hochfläche von Langenhain, wo wir schon aus der Ferne einen merkwürdigen kugelartigen Bau ausmachen können. Der Bau entpuppt sich bei der Annäherung als architektonisches Schmuckstück. Es ist der einzige Tempel der Religionsgemeinschaft der Bahai in Europa.

Wir steigen weiter auf bis zum bewaldeten Gipfel des Judenkopfes, wo unser Abstieg zurück nach Eppstein beginnt. Die Buchen haben gerade frisch ausgetrieben. Der Wald leuchtet in seinem saftigsten Grün. Für Waldfreunde sind das die schönsten Tage des Jahres. Einfach herrlich, wie überhaupt die ganze Wanderung. Ein echtes Highlight unserer Tuanus-Tor, das steht schon einmal fest.

( MITI / )

Königstein – wo Frankfurts Reiche wohnen

Blick von der Burgruine hinunter nach Königstein im Taunus (Foto Brion Vibber)

Von Schmitten fahren wir am Nachmittag weiter nach Königstein, das an den waldreichen südlichen Taunushängen rund 20 Kilometer vor Frankfurt liegt. Die Stadt ist für ihre bevorzugten und teuren Wohnlagen mit einer Reihe von Villen bekannt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Königstein 1215. Schon zu dieser Zeit bestand die Burg Königstein, deren Ruine heute das Wahrzeichen der Stadt bildet. Sie befindet sich unmittelbar oberhalb der kleinen, aber sehenswerten Altstadt von Königstein.

Ebenfalls weithin sichtbar ist die Villa Andreae – ein denkmalgeschütztes Wohn- und Bürohaus, das durch seine Alleinlage auf der Kuppe des Gaisbergs gegenüber der Burg das Stadtbild von Königstein prägt. 1987 kaufte der Immobilienunternehmer Jürgen Schneider das Baudenkmal und ließ es für 30 Millionen DM aufwändig sanieren. Bis zu seiner Aufsehen erregenden Milliardenpleite 1994 nutzer er das Objekt als repräsentativen Firmensitz. Heute befindet sich das Anwesen inmitten eines 20.000 m² großen Parks im Besitz des Geschäftsmanns Zhu Weiping aus Hongkong.

Ein weiterer Prunkbau ist das ehemalige Schloss des Herzogs Adolph von Nassau, das seit 1890 als „Luxemburgisches Schloss“ bekannt ist und heute als Sitz des Amtsgericht genutzt wird. Überaus repräsentativ ist auch die Villa Rothschild, die 1884 als Sommerresidenz von Wilhelm Carl von Rothschild errichtet wurde, und in den Jahren 1948/49 als Tagungshaus des Parlamentarischen Rates und der westdeutschen Ministerpräsidenten genutzt wurde. Heute befindet sich in der Anlage ein Nobelhotel der Kempinski-Gruppe.

Das alles schauen wir uns auf einem Abendspaziergang an. Sieht man einmal von den wenigen Hochhäusern am Stadtrand ab, macht Königstein wirklich einen sehr noblen Eindruck. Kein Wunder, dass der Kaufkraftindex hier beim doppelten des Bundesdurchschnitts liegt. Aber so richtig sympathisch macht das die Stadt in meinen Augen nicht.

( MITI / )

Von Schmitten auf den Großen Feldberg

Sendeanlagen auf dem Großen Feldberg im Taunus

Zweiter Tag unserer Taunustour. Früh am Morgen fahren wir von Idstein über enge und steile Straßen in den Hochtaunus nach Schmitten. Es dauert eine ganze Weile, bis ich in dem verwinkelten Örtchen einen Parkplatz für das Womo gefunden habe. Doch dann geht es endlich los, auf eine 20 Kilometer-Wanderung, die uns hinauf auf den höchsten Gipfel des Taunus führen wird.  Darauf habe ich mich schon sehr gefreut.

Schon von weitem ist die 880 Meter ü.N.N hohe Bergspitze mit den markanten Masten und Türmen verschiedener Funk- und Fernseh-Sender zu sehen. Von Schmitten geht es in südlicher Richtung ständig bergauf in Richtung Gipfel. Zumeist laufen wir durch dichten Kiefernwald, der nur selten von langen Schneisen unterbrochen wird, die einen Blick zurück ins Tal oder hinauf zum Gipfel freigeben. So wundere ich mich fast ein wenig, als wir nach rund 90 Minuten plötzlich unterhalb des Gipfels stehen.

Hier endlich lichtet sich der Wald, so dass man einen herrlichen Panoramablick in Richtung des nördlich gelegenen Hochtaunus hat. Auf der anderen Gipfelseite geht der Blick hinunter in das 30 Kilometer entfernte Frankfurt, dessen Skyline auch im Gegenlicht der starken Sonne gut zu erkennen ist.

Obwohl wir beim Aufstieg nur wenigen Wanderern begegnet sind, ist oben auf dem Gipfel ganz schön was los. Denn man kann auch mit dem Auto oder dem Motorrad hinauf fahren, wie ich nun feststelle. Sogar ein Wohnmobil steht hier oben. Aber wir wollen natürlich laufen 🙂

Zurück geht es in einer großem Westschleife an den Ortsteilen Oberreifenberg und Seelenberg vorbei zurück nach Schmitten. Unterhalb  des Feldberg-Gipfels kommen wir zunächst an den Ausgrabungsresten eines früheren römischen Kastells vorbei, das Teil der Limes-Grenzsicherung war. Es wurde bewusst in unmittelbarer Nähe zur Quelle der Weil errichtet, damit den Soldaten und Bewohnern immer ausreichend Frischwasser zur Verfügung stand.

Auf halber Strecke des Rückwegs legen wir einen kurzen Abstecher zum „Großen Zacken“ ein, einem natürlich gewachsenen Felsen, der sich steil über dem Emsbachtal erhebt und einen tollen Fernblick bietet.

Nach knapp fünf Stunden erreichen wir schließlich wieder unseren Startpunkt. Ich bin ob der langen Strecke und der warmen Temperaturen ganz schön durchgeschwitzt, und Doxi hat offensichtlich ebenfalls genug: Ratzfatz verzieht sie sich unter das Wohnmobil, um im Schatten auszuruhen.

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In der Altstadt von Limburg

Blick von der Lahn zum Domberg

Auf dem Weg mit dem Womo in den Taunus: Kurz vor sechs Uhr am Morgen sind wir zu Hause gestartet, um den großen Staus im Berufsverkehr rund um Köln zu entgehen. Und das hat gut funktioniert. Kaum zwei Stunden später erreichen wir Limburg am Übergang zwischen Westerwald und Taunus. Schon oft bin ich auf der Autobahn A3 an Limburg vorbei gefahren. Jetzt ist ein guter Moment, mir die Stadt endlich einmal aus der Nähe anzuschauen.

Überregional bekannt ist die Stadt hauptsächlich durch das gleichnamige Bistum mit seiner Kathedralkirche, dem spätromanischen Dom St. Georg, und den Bahnhof Limburg Süd an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Die Stadt liegt in einem Becken zwischen Westerwald und Taunus und  erstreckt sich auf beiden Seiten der Lahn.

Wir haben Glück und finden einen kostenlosen Parkplatz am Fluss ganz in der Nähe der Altstadt. Von dort breche ich mit Doxi zu einem anderthalbstündigen Spaziergang durch das historische Herz der Stadt auf.

Über der Altstadt erhebt sich der Domberg mit dem Dom und zahlreichen kirchlichen Einrichtungen. Historische Funde lassen darauf schließen, dass sich dort bereits um 500 v. Chr. eine keltische Siedlung befand. Mehr als eintausend Jahre später, um 760 n.Chr., entstand an diesem Ort die erste merowingische Befestigung, in deren Schutz sich eine Ansiedlung entwickelte, aus der später die Stadt hervorging.

1160 wurde eine hölzerne Brücke als Teil der Fernstraße von Köln nach Frankfurt am Main über die Lahn errichtet. In der gesamten Stadtgeschichte war sie eine der wichtigsten Einnahmequellen des Ortes. 1315 und 1346 wurde die steinerne Lahnbrücke gebaut, die noch heute existiert.

Ich bin überrascht,  wie viele schöne und gut erhaltene mittelalterliche Fachwerksbauten ich in der Altstadt antreffe. Einige davon sollen zu den ältesten noch erhaltenen Bauten in Deutschland zählen. An vielen Häusern entdecke ich aufwändige Holzverzierungen und hübsche kleine Erker. Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, dass wir hier einmal Halt gemacht haben. Ganz süß diese Altstadt!

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Mittelalterliches Idstein

Rathaus und Schiefes Haus am Marktplatz vor dem Schloss, das gerade eingerüstet ist

Wir haben Idstein erreicht, die erste Übernachtungsstation auf unserer Taunus-Tour. Der Ort ist die älteste Stadt im Rheingaukreises und verfügt über eine hübsche, sehenswerte Altstadt mit zahlreichen mittelalterlichen Fachwerksbauten. Sie befindet auf einem Höhenrücken zwischen den beiden Stadtbächen, dem Wolfsbach im Osten und dem Wörsbach im Westen,

Dieser Höhenrücken geht im Norden in den Sclossfelsen über, auf dem die frühere Burg, das Schloss und der Hexenturm angesiedelt sind. Auch wenn darin niemals Hexen eingesperrt waren, gab es in Idstein im 17. Jahrhundert zahlreiche Hexenprozesse mit etlichen Todesurteilen und unter der Folter verstorbenen.

Erst im Jahre 2014 wurden die Opfer durch das Stadtparlament moralisch und sozialethisch rehabilitiert. Heute erinnert eine Gedenktafel unterhalb des Hexenturms mit erschreckend vielen Namen an dieses dunkle Kapitel der Zeitgeschichte.

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Tebartzens Luxus-Domizil

Sterin des Anstosses – Der Neubau auf dem Gelände des Diözesaönzentrums Sankt Nikolaus im Hintergrund

Erinnert sich noch jemand an den Bauskandal um den früheren Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst? Im Herbst 2013 war der luxusliebende Geistliche wegen erheblich gestiegener Baukosten für das Diözesanzentrum Sankt Nikolaus bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Am 23. Oktober 2013 entband der Heilige Stuhl den Bischof daraufhin von seinen Pflichten.

Ich war neugierig, worum es dabei eigentlich ging, und deshalb bin ich bei meinem Besuch in Limburg als erstes auf den Domberg hochgelaufen, wo sich zahlreiche kirchliche Einrichtungen und Gebäude befinden.

Aber zunächst werfe ich einen Blick in den Limburger Dom, der dem heiligen Georg gewidmet und deshalb als Georgsdom bekannt ist. Durch eine offene Seitentür gelange ich in den Dom, Doxi leine ich draußen an einem Poller an. Es ist noch ganz früh am Morgen und ich bin nicht sicher, ob der Dom schon für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Im Hintergrund sehe ich den Domvikar. Höflich frage ich, ob man eintreten darf. Man darf!

Der Dom thront oberhalb der Altstadt neben der Burg Limburg. Die exponierte Lage auf einem Kalkfelsen über der Lahn sorgt dafür, dass die Kirche weithin sichtbar ist. Der Bau gilt als eine der vollendetsten Schöpfungen spätromanischer Baukunst. Es zeigen sich aber bereits erste Elemente der Frühgotik.

Als teilweises Vorbild gilt die Kathedrale von Reims. Der Baukörper ist reich gegliedert; aus ihm streben sieben Türme gen Himmel, die für die sieben Sakramente stehen. Auch im Innern macht die Kirche einen sehr schönen Eindruck. Irgendwie ist es ein durchaus erhebendes Gefühl, hier so ganz allein unterwegs zu sein.

Wie ich später bei der Recherche feststelle, war das bemerkenswerte Kirchengebäude schon an prominenter Stelle abgebildet: Auf der Rückseite des 1000-DM-Scheins der dritten Serie, die ab 1964 ausgegeben wurde.

Als ich aus der Kirche heraustrete und auf den Domplatz blicke, geht man Blick sofort zu einem markanten Ensemble, das ein mittelalterliches Fachwerkhaus mit einem modern wirkenden, klar strukturierten Gebäude mit schwarzer Basaltverkleidung verbndet. Das muss es sein, das Diözesanzentrum Sankt Nikolaus, die modernisierte Residenz des Limburger Bischofs, um die es so viel Streit gegeben hat. Die Bilder kenne ich noch aus der damaligen Presseberichterstattung.

Architektonisch sieht es sehr ansprechend aus, aber auch ein wenig zu nobel für den gegebenen Zweck. Kein Wunder, dass sich der Nachfolger im Bischofsamt, Georg Bätzing, entschieden hat, seine vorgesehene die Dienstwohnung in der Anlage nicht zu nutzen.

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Zweiter Besuch auf der Halde Rheinpreussen

Biker-Treffen oben am Geleucht

Ende Dezember war ich zum ersten Mal auf der Halde Rheinpreussen an der Stadtgrenze zwischen Duisburg und Moers. Damals war es ein trocken-sonniger Wintertag und ich konnte den weiten Blick von der Halde in das Ruhrgebiet richtig genießen.

Jetzt ist der Frühling da und ich bin zum zweiten Mal hier, diesmal mit Jutta. Wieder scheint die Sonne, doch es ist fast zwanzig grad wärmer und die ersten Bäume treiben aus. Viele Pflanzen und Sträucher blühen gerade in voller Pracht, so dass ein ganz lieblicher Duft in der Luft liegt. Herrlich ist das!

Oben am Geleucht, dem Wahrzeichen der Halde, treffen wir auf eine Gruppe von Bikern auf Motorrad-Ausflug. Unter Aufsicht der Polizei sind sie den Schotterweg bis zur Haldenspitze hinauf gefahren.

Mit dem  Fernglas suche ich den Horizont ab. Ich kann Duisburg, Mülheim, Essen und sogar den UKW-Sender Langenberg auf den Wupperhöhen hinter Velbert ausmachen. Dazwischen in der Ferne ein großer Zeppelin, der über dem Ruhrgebiet zu Werbezwecken seine Kreise zieht.

Wir steigen über die Serpentinen am Ostrand der Halde zum angrenzenden Waldsee im Baerler Busch hinab und umrunden den See auf seinem schönen Uferpfad. Anschließend machen wir mit dem Auto noch einen kleinen Abstecher zum Kloster Kamp, das von hier gerade einmal 12 Kilometer entfernt ist. Im berühmten Barockgarten lässt sich gerade ein türkisches Brautpaar in festlicher Kleidung fotografieren. Und die Gartenbesucher schauen staunend zu …

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Am Rande von Camp Elsenborn

Tümpel am Schwalmbach, der zur Hälfte auf dem Truppenübungsplatz liegt

Vor zehn Tagen war ich schon einmal auf der Suche nach den wilden Narzissen im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Belgien bei Monschau unterwegs. Heute wandere ich wieder durch mehrere Bachtäler in dieser Region, diesmal aber auf einer etwas anderen Route, die sich mehr auf belgischer Seite am Grenzverlauf des Truppenübungsplatzes Camp Elsenborn orientiert.

Die Tour hat den Vorteil, dass hier bei weitem nicht so viele Menschen unterwegs sind, wie auf der deutschen Seite der Grenze direkt am Fuhrtsbach und am Perlenbach.

Tatsächlich sind seit meinem letzten Besuch bereits deutlich mehr Narzissen erblüht. Aber die ganz große Farbenpracht, ein Meer aus gelben Blüten, hat sich noch nicht eingestellt.

Wenige hundert Meter hinter unserem Startpunkt laufen wir im Wald an mehreren großen Ameisenhügeln vorbei. Im Abstand von 20 bis 25 Metern haben sich die verschiedenen Völker unterhalb großer Fichten angesiedelt. In der warmen Frühlingssonne ist auf den Nestern unheimlich was los. Ich trete nur kurz heran, um ein kleines Video aufzunehmen, schon habe ich dutzende verteidigungsbereite Ameisen auf meinen Wanderschuhen herumkrabbeln.

Zwei Kilometer weiter entdecke ich am Oberlauf des Krockenbachs auf der Nordseite des Tals abertausende grüner Narzissen-Stengel, die bereits aus dem Boden ragen, jedoch noch keine Blütenkelche entwickelt haben. Muss ich wohl in ein bis zwei Wochen noch einmal wiederkommen …

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Von Dreiborn nach Erkensruhr

Mit Doxi auf der Dreiborner Hochfläche

Letzter Tag unserer kleinen Womo-Frühlingstour in den Nationalpark Eifel. Am Morgen fahre ich mit dem Womo von Gemünd hinauf nach Dreiborn zur Dreiborner Hochfläche. Vom Rande der Hochfläche starten wir zu einer zehn Kilometer langen Wanderung hinunter ins Tal der Erkensruhr zur kleinen Siedlung Hirschrott.

Der Himmel ist bedeckt, aber die Luft ist warm. Überall liegt Vogelgezwitscher in der Luft und an den Bäumen und Sträuchern auf der Hochfläche öffnen sich die ersten Knospen. An einer größeren Fütze auf dem Weg kann ich beobachten, wie das Leben nach dem langen Winter zurückkehrt: Es wimmelt von Wasserläufern, ich sehe Molche und Frösche, von denen einige bereits von Vögeln erbeutet und halb aufgefressen am Rande der Fütze zurückgelassen wurden.

Von der Hochfläche geht es steil bergab an dem letzten Bauerngehöft innerhalb des Nationalparks vorbei, das noch bis 2009 bewohnt war und nun langsam von der Natur zurückerobert wird. Rund um das verfallene Bauernhaus entdecke ich die ersten Flächen mit wilden Narzissen, die bereits blühen.

Auf einer Infotafel an dem verlassene Gehöft Leykaul erfahre ich, woher der Familienname „Dardenne“ stammt, der mir hier so oft begegnet. Es sind die Nachfahren von Schiefer-Brechern, die einst aus den Ardennen eingewandert sind, nachdem sich der Schieferabbau in ihrer Heimatregion nicht mehr lohnte. Es waren die Menschen aus den Ardennen: D’Ardenne.

Unten im Tal der Erkensruhr stoße ich auf die Überreste des 1948 eingestellten Schieferbergbaus. Mehrere Stolleneingänge sind mit Eisengittern gesichert und werden in der kalten Jahreszeit von Fledermäusen bewohnt.

Die Erkensruhr ist ein Nebenfluss der Ruhr, die wenige Kilometer weiter bei Ruhrberg in die Ruhr und mit ihr in den Ruhrsee mündet. Das Tal von Erkensruhr ist ein Nebental des Ruhrtals. Die Siedlung Hirschrott bildet das bewohnte Ende dieses Tals und gehört zur Gemeinde Erkensruhr.

Von Hirschrott aus beginnen wir unseren Wiederaufstieg auf die Dreiborner Hochfläche über einen jahrhundertealten Hohlweg, der sich tief in den Waldboden eingegraben hat. Über die Hochfläche mit weiten Blicken in das Ruhrtal und hinüber zum Kermeter geht es schließlich zurück zu unserem Startpunkt, den wir nach etwas mehr als drei Stunden wieder erreichen. Eine wirklich sehr schöne und landschaftlich abwechslungsreiche Tour, die ich gerne irgendwann einmal wieder laufen möchte.

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Wanderbelohnung Erbsensuppe

Jetzt gibt’s Erbsensuppe

Wir stehen noch immer mit dem Wohnmobil auf dem Womo-Stellplatz am Kurpark in Gemünd. Am Morgen kommen Freunde aus Köln zu Besuch, um gemeinsam mit uns zu wandern.

Zusammen mit den Hunden Chili, Doxi und Ruby machen wir uns auf den neun Kilometer langen Weg durch den Kermeter zur Abtei Mariawald. Die dortige Kloster-Gastronomie ist für ihre deftige Erbsensuppe bekannt. Für viele Menschen aus der Region ist die Suppe Kult.

Entsprechend voll ist es an diesem Sonntagmittag im Schankraum, und wir reihen uns gerne ein, bis es auch für uns an der Theke heißt: „Mit Würstchen oder ohne?“ Nach dieser kräftigen Stärkung geht es auf den acht Kilometer langen Rückweg, so dass am Ende 17 Wanderkilometer zusammen kommen.

Eigentlich wollte ich unseren Freunden auf dem Weg zur Abtei den tollen Aussichtsturm bei Wolfgarten zeigen. Von dem ehemaligen Feuerwachturm hat man einen herrlichen Fernblick über die Voreifel bis zur Ville und nach Köln. Doch anstelle des Turms treffen wir nur auf einen ausfahrbaren Mobilfunkmast, der auf einem LKW montiert ist. Der hölzerne Aussichtsturm ist im vergangenen Sommer abgebrannt, wie ich aus dem Internet erfahre. Die Feuerwehr vermutet Brandstiftung. Ob es einigen Einheimischen nicht gefallen hat, dass man vom Turm so schön in ihre Gärten blicken konnte? Man weiß es nicht.

Immerhin: Während sich der Himmel auf dem Hinweg noch wolkenverhangen zeigt, wandern wir auf dem Rückweg durch den sonnendurchfluteten Wald. Am Ende sind wir alle ein wenig k.o.., aber die Hunde haben fein durchgehalten, und dafür gibt es zur Belohnung noch einmal eine flüssige Stärkung aus der kristallklaren Urft.

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Familienwanderung rund um die Wildenburg

Blick aus dem Tal es Manscheider Baches hinauf zur Wildenburg

Es ist das erste richtig sonnige Frühlingswochenende in diesem Jahr und wird sind mit einem Teil der Familie rund um die Wildenburg  in der Nähe von Reifferscheid (Gemeinde Hellenthal) in der Eifel unterwegs.

Unsere 15 km lange Wanderung verläuft in leichtem auf und ab durch eine liebliche Eifellandschaft und bietet immer wieder grandiose Fernsichten. Wir durchwandern Bachtäler und bunte Wiesen, passieren hübsche Weiler und blicken immer wieder zur Wildenburg, unserem Startpunkt.

Die Burg wurde zwischen 1202 und 1235 auf einem Bergsporn erbaut und ist eine der wenigen Eifeler Höhenburgen, die niemals durch Kriegseinwirkung oder Abriss zerstört wurden. Sie war Mittelpunkt einer Herrschaft, die sich im Westen bis an die heutige belgische Grenze und im Osten bis vor die Tore der Abtei Steinfeld erstreckte.

Die Anlage liegt am Ende eines schmalen, weit ins Tal reichenden Bergvorsprungs, der nach drei Seiten stark abfällt. Diese geografische Lage bot den Burgbewohnern guten Schutz, verhinderte jedoch das Entstehen einer größeren Siedlung.

Die drei Damen beim Anstieg nach Kreuzberg

Wir parken an der Burg und laufen zunächst über einen urigen Pfad steil bergab ins Tal zum Manscheider Bach. In der schönen Wiesenlandschaft haben wir einen herrlichen Blick auf den gesamten Komplex der Wildenburg.

Weiter geht es bis zum Örtchen Kreuzberg, wo wir einen Blick in die hübsche und gepflegte Kirche am Ortseingang werfen. Dann steigen wir durch einen dichten Tannenwald abwärts zu den Weilern Unterschömbach und Linden. Dahinter geht es über einen Höhenweg hinauf zum Fuchsberg , wo sich uns herrliche Fernblicke in die Eifellandschaft eröffnen.

Über Feldwege laufen wir weiter zum Weiler Kradenhövel und steigen dann ins Tal des Wolferter Bachs hinab. Wir folgen dem Bach bis zum Dorf Wiesen. Über einen morastigen Pfad am Waldrand geht es nun weider steil bergan, wobei wir in der Ferne auf Reifferscheid und die Burg Reifferscheid blicken.

Nach kurzer Passage durch Wald, Ginster und Wiesen abwärts erreichen wir den Leiderbach. Ein kurzer, steiler Anstieg bringt uns schließlcih zurück zur Wildenburg und durchs Burggelände zur Burgschänke, wo wir ein köstliches Nachmittagsmahl genießen. Alle Mitwandernden sind sich einig: Das war wirklich eine ganz und gar gelungene Tour.

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Auf der Suche nach den Narzissen

Doxi im Perlenbachtal am Rande des Truppenübungsplatzes „Camp Elsenborn“

Jedes Jahr am Frühlingsanfang pilgern Naturfreunde von nah und fern in die Bachtäler an Deutsch-Belgischen Grenze in der Eifel, um die Blüte der wilden Narzissen (Osterglocken) zu bewundern. Zehntausende der gelben Blütenkelche recken sich dann ins Licht und sorgen im satten Grün der Wiesen für ein prächtiges Farbenmeer.

Letztes Jahr war ich ein wenig spät dran, da waren Zweidrittel der Bestände bereits verblüht. Dafür bin ich in diesem Jahr eindeutig zu früh im lieblichen Perlenbachtal unterwegs.

Während bei uns im Rheintal schon überall die Narzissen blühen, lässt die Blüte hier in der Hocheifel noch auf sich warten.

Ich drehe mit Doxi eine zwölf Kilometer lange Runde durch das Perlenbachtal und die angrenzenden Täler, doch von Narzissenblüte nirgendwo eine Spur. Seinen Namen verdankt das Tal der Flussperlmuschel, die früher hier in großer Zahl heimisch war und allein den Herzögen von Jülich zustand. Heute gilt die Muschel als nahezu ausgestorben. Nur wenige Restbestände haben sich an einer Stelle erhalten, die ausschließlich Wissenschaftlern bekannt ist.

Wir laufen auf belgischer Seite durch ein Randgebiet des Truppenübungsplatzes „Camp Elsenborn“. An den Zugängen warnen Infotafeln, dass hier mit scharfer Munition geübt wird. Und es hängen die aktuellen Dienstpläne aus, wann geschossen wird und wann nicht. Heute ist glücklicherweise ein Tag, an dem man das Gelände gefahrlos passieren kann. Denn gerade der Abschnitt des Perlenbachtals am Rand des Übungsplatzes ist landschaftlich besonders reizvoll. Und den möchte ich nur ungern verpassen.

Tatsächlich entdecke ich genau hier zum ersten und einzigen Mal auf dieser Wanderung doch noch einen kleinen Narzissenbestand, der kurz vor der Blüte steht – an einer windgeschützten Stelle in einem sonnendurchfluteten Südhang  Aber ansonsten: Fehlanzeige. Schließlich war es hier oben ja noch bis vor einer Woche bitterlich kalt und richtiger Winter, wie mir ein anderer Wanderer berichtet. Hätte ich vielleicht selbst drauf kommen können.

Müssen wir also wohl in einer oder zwei Wochen noch mal wiederkommen. Nur nicht vergessen, denn sonst bin ich wieder zu spät dran. So wie im letzten Jahr. Grummel …

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Hoch über Lüttich

Die 2010 entweihte Kirche Église du Sacré-Cœur auf den Maashöhen im Stadteil Cointe

Weithin sichtbar erhebt sich ein hoher weißer Turm über Lüttich. Er steht im Stadtteil Cointe auf den Höhen über dem Maastal. Es ist das Erhenmal für die Gefallenen verschiedener Nationen bei der Verteidigung Belgiens im Ersten Weltkrieg.

Das Mémorial Interallié wurde seit 1921 geplant und ab dem Jahr 1925 aus Spenden errichtet. Neben dem Ehrenmal wurde auch eine große Kirche gebaut. Die Bauten wurden im Jahre 1937/38 fertiggestellt und im Beisein des belgischen Königs Léopold III. eingeweiht.

Im Mai 1944 wurde die Anlage bei alliierten Luftangriffen auf das von deutschen Truppen besetzte Lüttich schwer beschädigt. Es sollten mehr als 20 Jahre vergehen, bis die Bauwerke im Jahre 1968 vollständig rekonstruiert und vom belgischen König Baudoin I. wieder eingeweiht wurden.

Doch in den letzten Jahren ist vor allem die Kirche komplett verfallen. Sie wurde 2010 entweiht und steht seitdem zum Verkauf. Für mich wirkt sie wie ein Sinnbild für den Zustand der Stadt: Viel Verfall, wenig Substanz.

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Der Bahnhof Liège-Guillemins

Seitenansicht von der Stadtseite des Bahnhofs

Er ist eines der architektonischen Highlights der Stadt Lüttich: Der 2009 fertiggestellte Bahnhof Liège-Guillemins nach Plänen des internationalen Stararchitekten Santiago Calatrava. Der Bahnhof ist Knotenpunkt im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz, u.a. halten Thalys- und Intercity-Express-Züge hier.

Der überaus leicht und luftig wirkende Bau besteht aus Stahl, Glas und weißem Beton. Er hat einen monumentalen Baldachin von 200 Meter Länge und 35 Meter Höhe.

Darunter verlaufen neun Gleise. Die Gleise 1 und 2 werden von der ICE International-Linie angefahren. Auf den Gleisen 3 und 4 halten Züge nach Brüssel. Es gibt fünf Mittelbahnsteige mit einer Breite von acht Metern.

Rolltreppen führen zu den Übergängen. Als ich mit Doxi hochfahren will, ist ihr die bewegliche Treppe ganz und gar nicht geheuer. Also nehme ich sie auf den Arm und fahre mit ihr nach oben. Ich hatte schon Bilder des Bahnhofs in verschiedenen Publikationen gesehen. Jetzt hier zu sein, finde ich wirklich toll.

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Im Herzen der Wallonie

Blick vom Parc de la Boverie über die Maas zum Hochhaus „Tour Paradis“ in der Nähe des Bahnhofs

Gestern, am Ostersonntag, waren wir in Maastricht. Heute, am Ostermontag, sind wir in Lüttich. Obwohl die beiden Städte an der Mass nur 25 Kilometer trennen, liegt zwischen ihnen eine deutlich spürbare kulturelle und wirtschaftliche Grenze. Und natürlich die Landesgrenze zwischen den Niederlanden und Belgien.

Lüttich ist das kulturelle Zentrum der Wallonischen Region Belgiens. Hier wird französisch gesprochen.

Die Stadt war bereits in römischer Zeit und dem Namen Leodicum bzw. Vicus Leodicus bekannt. 717 wurde die Stadt zum Bischofssitz und in den darauffolgenden Jahrhunderten zu einem ein bedeutenden politischen und kulturelles Zentrum.

Achthundert Jahre lang war Lüttich die Hauptstadt eines souveränen Staates, des Fürstbistums Lüttich (985-1789). Dieses erstreckte sich über ein Viertel der Fläche des heutigen Belgiens bis zur französischen, niederländischen und deutschen Grenze.

Sechs Jahre nach der Französischen Revolution wurde Lüttich 1785 von französischen Truppen besetzt und Teil der Französischen Republik. 1815 kam die Stadt nach dem Sturz von Napoleon Bonaparte zum Königreich der Vereinigten Niederlande und wurde 1830 Teil des unabhängigen Königreiches Belgien.

Der TGV-Bahnhof Liege-Guillemins

Lüttich ist eine Wiege der kontinentaleuropäischen Kohle- und Stahlindustrie. Bereits 1720 nahm die erste Dampfmaschine auf dem europäischen Festland in einer Kohlemine nahe Lüttich ihren Betrieb auf. Von Lüttich aus breitete sich die Industrialisierung ab Anfang des 19. Jahrhunderts über den gesamten Kontinent aus.

Doch mit dem Niedergang des Kohlebergbaus ab den 1960er Jahren und der anschließenden Stahlkrise erlebte die Region schwere Strukturprobleme, die bis heute nicht überwunden sind. Die Arbeitslosenquote liegt bei annähernd 25% und das sieht man der Stadt auch an. Zahlreiche Denkmäler und Statuen erzählen vom Glanz vergangener Zeiten, doch viel ist davon nicht übrig geblieben. Der alte Prunk ist ziemlich angestaubt.

Viele Bauten machen einen vergammelten Eindruck und die Architektur aus der Nachkriegszeit wirkt doch sehr zweckmäßig und wenig ansprechend, um es einmal freundlich auszudrücken. Eines der wenigen Highlights: Der hypermoderne Bahnhof Liège-Guillemins.

Mehr als drei Stunden bin ich an diesem Morgen mit Doxi in der Stadt unterwegs. Fast 14 Kilometer legen wir dabei zurück. Wir starten am herunter gekommenen Kongresspalast auf der Maasinsel im Stadtteil Outremeuse und laufen zunächst durch den öffentlichen Park de la Boverie auf das gleichnamige Museum zu, das in einem prächtigen historischen Bau untergebracht ist.

Das alte kursürstliche Palais

An der reich verzierten Brücke Pont de Fragnee wechseln wir auf die andere Seite der Maas. Wir laufen durch das etwas herunterkommen wirkende Stadtviertel Guillemins auf den architektonisch beeindruckenden TGV-Bahnhof Liege-Guillemans zu. Hinter dem Bahnhof steigen wir auf die Höhen über dem Maastal zum weithin sichtbaren Memorial Interalle auf, das den Kriegstoten des ersten Weltkriegs gewidmet ist.

Anschließend geht es wieder hinunter in Richtung der Altstadt von Lüttich. Wir laufen durch den Parc d’Avroy, kommen an der Kathedrale Saint-Paul de Liege und am Opernhaus vorbei, queren die Einkaufsstraßen im Zentrum und erreichen schließlich den riesigen früheren Sitz des regierenden Fürstbischofs.

Wir lassen uns noch ein wenig durch die Stadt treiben, schauen links und rechts nach sehenswerten Bauten und Plätzen, aber nach dreieinhalb Stunden strammen Marsches haben wir schließlich genug. Eigentlich hatte ich noch eine Wanderung in den nahegelegenen Ardennen geplant, doch die kommt ein anderes Mal dran. Für heute haben wir erst einmal genug Eindrücke gesammelt.

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